Gelbfinger! James Bond und das Rauchen

17. Jänner 2017, 17:40
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Ein neuseeländisches Forscherduo öffnete die Patientenakte 007 und analysierte den Zigarettenkonsum in James-Bond-Filmen

Wellington/Wien – Fast wie ein Quiz liest sich eine aktuelle neuseeländische Studie, die im Fachmagazin "Tobacco Control" der British Medical Association erschienen ist: Wann wurde in James-Bond-Filmen am meisten geraucht? Was war der einzige Bond, in dem überhaupt niemand zur Zigarette griff? Und wie oft hat jemand sein Glück mit einer E-Zigarette versucht?

Die Antwort auf Frage 1 lautet übrigens (wenig überraschend): in den 1960er-Jahren. Damals dauerte es im Schnitt weniger als 20 Minuten, bis 007 zum ersten Mal zur Zigarette griff. Die Antwort auf Frage 2: "Casino Royale" von 2006, der Beginn der Ära Daniel Craig. Und Antwort 3: noch nie.

Nick Wilson und Anne Tucker von der University of Otago analysierten sämtliche Bond-Filme seit "Dr. No" von 1962. Zuvor hatte es bereits ähnliche Untersuchungen zu Alkoholkonsum und Gewalt im Bond-Franchise gegeben – die beiden wollten mit ihrer Studie nach eigenen Angaben eine "Lücke" schließen.

Qualm auf der Leinwand

An dieser Stelle bietet es sich an, auf den forscherischen Hintergrund hinzuweisen: Es geht um die Vorbildwirkung. Wilson und Tucker beziehen sich auf eine britische Metastudie von 2016, derzufolge die Darstellung von Tabakkonsum in Filmen das Risiko deutlich erhöhe, dass Jugendliche zu ihrer ersten Zigarette greifen. Als am längsten laufendes und erfolgreichstes Franchise komme den Bond-Filmen daher eine besondere Verantwortung zu, meinen die Forscher aus Neuseeland.

Das Stichwort "erfolgreichstes" führt unwillkürlich zur Frage, wie es mit anderen großen Franchises aussieht. Da können es sich Forscher bequem machen und gleich auf die von Fans gesammelten Daten zurückgreifen: Sowohl das "Star Trek"-Wiki als auch die für "Star Wars" zuständige Wookieepedia listen penibel auf, wann wo wer in welcher Form in den jeweiligen Franchises Tabak konsumiert hat. Es kommt übrigens in beiden Fällen öfter vor, als man glauben würde. Und beim "Herrn der Ringe" erinnern sich ohnehin alle, die die Filme gesehen haben, daran, wie Gandalf und die Hobbits die Pfeife kreisen ließen. Was laut einer großangelegten Studie der American Cancer Society von 2004 immerhin nicht ganz so gesundheitsschädlich ist wie Zigarettenrauchen.

Die Richtung stimmt

Aber zurück zu Bond: Hier geht der Trend in die richtige Richtung, befinden Wilson und Tucker. Spektakuläre Gadgets wie Zigaretten, die neben den üblichen Schadstoffen auch Gift, Betäubungsgas und in einem Fall sogar ein Projektil absonderten, waren nach den 1980ern nicht mehr zu sehen. Überdeutliche Produktplatzierung habe es zuletzt in "Lizenz zum Töten" von 1989 gegeben, als der Tabakkonzern Philip Morris eine Offensive auf dem japanischen Markt startete. Generell sei die Rauchquote stark gesunken, 007 selbst ist seit "Casino Royale" Nichtraucher.

Es bleibt jedoch die Gefahr von Passivrauch, dem James Bond in erster Linie durch seine Gespielinnen ausgesetzt ist: Etwa 20 Prozent der Bond-Girls rauchen – besonders gerne die klassische Zigarette danach, befinden die Autoren, die auch nicht zu erwähnen vergessen, dass Rauchen im Bett erhöhte Zimmerbrandgefahr bedeutet. Wegen solcher Darstellungen seien die Bond-Filme nach wie vor problematisch, lautet das Fazit der launigen Studie, die unter dem Titel "Die Another Day" erschienen ist. Immerhin gebe es einen Faktor, der zwar nicht die Zuschauer, aber wenigstens James Bond selbst schützt: Seine Affären mit Raucherinnen sind stets nur von kurzer Dauer – und deren Leben in vielen Fällen ebenso. (Jürgen Doppler, 17. 1. 2017)

  • Sean Connery war der Bond, der zur Zigarette niemals nie sagte. In den Jahrzehnten danach ist der Tabakkonsum des Geheimagenten gegen null gesunken – es blieb jedoch das Risiko des Passivrauchens.
    foto: interfoto/picturedesk.com

    Sean Connery war der Bond, der zur Zigarette niemals nie sagte. In den Jahrzehnten danach ist der Tabakkonsum des Geheimagenten gegen null gesunken – es blieb jedoch das Risiko des Passivrauchens.

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