"Der Idiot": Eine bessere Gesellschaft, doch keine gute

    17. Jänner 2017, 14:43
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    Eine Bühnenfassung von Dostojewskis Roman ist ab Donnerstag im Theater Nestroyhof Hamakom in Wien zu sehen

    Wien – Das epileptische Leiden des jungen Fürsten Myschkin hat ihn in ein Schweizer Sanatorium getrieben. Was ihn zurück in die Sankt Petersburger Gesellschaft lockt, hätte er besser ignoriert. Gut wird ihm die Rückkehr nicht tun: weder Rogoschin, dem er noch im Zug in die Heimat begegnet und der ihm von der betörenden Nastassja Filippowna erzählt, einer Gefallenen, der auch Myschkin seinerseits unheilvoll verfallen wird, noch die schönen Schwestern Jepantschina. All dies einige Hundert Seiten lang.

    Anna Maria Krassnigg hat sich Fjodor Dostojewskis Roman Der Idiot vorgenommen und für die Bühne heruntergebrochen. Premiere hatte die Fassung mit Daniel Frantisek Kamen in der Rolle des gutgläubigen und – dann zu Geld gekommen – ausgenutzten Myschkin vergangenen Sommer im Thalhof an der Rax.

    Kultiviert und traurig

    Jetzt startet eine Aufführungsserie im Theater Nestroyhof Hamakom. Videoeinspielungen ergänzen ganz wesentlich das Bühnengeschehen, das Kostümbild zeigt Antoaneta Stereva in hübschen Kleidern und Lydia Hofmann, überzogen mit weißem Fell. Wer "kultiviert" sagt, muss hier aber auch "bedrückt" und "überdrüssig" sagen. Die bessere Gesellschaft ist keine gute. So hübsch könnte alles sein, doch droht den Figuren aus allen Dialogen und Gedanken die innere Leere und manch äußere Intrige.

    Die Frage der Geschichte ist also: Wie kann man glücklich werden? Weder Rogoschin (Murali Perumal) noch Nastassja (Michaela Saba, ausschließlich als Videoeinspielung) oder die Schwestern Jepantschina (Isabella Wolf und Gioia Osthoff), die die Straffung des Stoffs als plaudernde Erzählerinnen auszugleichen suchen, wissen es, noch werden sie es nach zweieinhalb Stunden sein.

    Dostojewski hatte sich den Idioten mühevoll abgerungen, die erste Version vernichtet. Als Zuschauer hingegen vermag man an dieser Bühnenadaption sehr wohl Freude zu haben. Nicht zuletzt wegen Jérôme Junod, der am Klavier stimmig begleitet. (Michael Wurmitzer, 17.1.2017)

    Theater Nestroyhof Hamakom, 19.-21. 1. und 25.-27. 1., 19.30

    • Die Darsteller erhalten auf der Bühne Unterstützung von Videosequenzen.
      foto: andrea klem

      Die Darsteller erhalten auf der Bühne Unterstützung von Videosequenzen.

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