Paviane greifen trächtige Weibchen an, um sich schneller fortzupflanzen

29. Jänner 2017, 17:01
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Wenn mächtige Männchen in eine neue Gruppe kommen, möchten sie schnell eigene Nachkommen zeugen

Nairobi – Unter bestimmten Bedingungen töten männliche Paviane den Nachwuchs von fremden Weibchen – manchmal sogar, wenn sich dieser noch im Bauch der Mütter befindet. Das Verhalten, das den Männchen die Möglichkeit geben soll, sich schneller fortzupflanzen, haben Forscher nun genauer untersucht. Sie werteten die Daten von Paviangruppen aus, die seit 1971 in einem Reservat in Kenia leben, und veröffentlichten die Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B".

Wenn mächtige Männchen neu zu der Gruppe kamen, stieg in einigen Fällen kurz darauf die Zahl der getöteten Jungtiere und Föten. Von einigen Tierarten, wie Primaten, Löwen oder Walen, ist bekannt, dass Männchen manchmal nichtverwandte Säuglinge töten. Denn solange die Mutter das Junge nährt, ist ihre Fruchtbarkeit eingeschränkt. Besonders Tiere, die neu in eine Gruppe zuwandern, erhöhen auf diese Weise ihre Fortpflanzungschancen. Wenig erforscht war bisher, in welchem Ausmaß und unter welchen Bedingungen einige Primaten auch werdende Mütter angreifen und durch Attacken auf den Bauch ungeborene Junge töten.

Steigende Schwangerschaftsabbrüche

Eine Forschergruppe aus den Vereinigten Staaten und aus Kenia untersuchte dieses Verhalten, Fetozid genannt, nun genauer. Das Team um Matthew Zipple von der Duke University in Durham analysierte Daten der vergangenen 45 Jahre über die kenianischen Paviangruppen. Dokumentiert waren auch die Zyklen der Weibchen, die bei Pavianen an äußerlichen Merkmalen erkennbar sind. Das Team konzentrierte sich jeweils auf den Zeitraum von zwei Wochen nach der Zuwanderung neuer männlicher Tiere. Die Forscher beobachteten das Verhalten der Männchen bei der Studie nicht direkt, sondern zogen ihre Zahlen etwa aus der Rate abgebrochener Schwangerschaften. Auf Schwangerschaften konnten sie aufgrund der äußerlich sichtbaren Zykluszeichen schließen.

Zu Problemen kam es nur, wenn bestimmten Tiere hinzukamen, die sich in kurzer Zeit einen hohen Status sicherten und auch einige Zeit in der Gruppe blieben. Der Status bestimmt sich bei Pavianen nach der Kampfkraft. 75 Alpha-Männchen kamen im Beobachtungszeitraum einzeln neu in Paviangruppen – meist ohne die Mitglieder zu gefährden. In sieben Fällen allerdings stieg die Zahl der Getöteten stark, da die Ankömmlinge jeweils gleich mehrere Tiere angriffen. Laut den Forschern töteten diese sieben Paviane zusammengerechnet mindestens sechs Jungtiere und 13 Föten.

Kein Machtgebaren

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich nicht um eine allgemein übersteigerte Aggressivität oder um ein Machtgebaren handelte, da keine Jungtiere starben, die älter als ein Jahr waren. 15 Weibchen überlebten den Angriff auf ihren geborenen oder ungeborenen Nachwuchs, und elf von diesen paarten sich in der Folgezeit mit dem Angreifer. Keins dieser Weibchen wäre zu dem Zeitpunkt fruchtbar gewesen, wäre der Nachwuchs nicht getötet worden.

Die Forscher gehen daher davon aus, dass der Fetozid, genau wie die Kindstötung, unter bestimmten Bedingungen ein Selektionsmittel ist. Der Selektionsdruck und damit die Angriffe auf den Nachwuchs nahmen nach Forscherangaben zu, wenn die Gruppe relativ isoliert lebte und es besonders viel Nachwuchs und wenig Nahrung gab. (APA, red, 29.1.2017)


Abstract
Proceedings of the Royal Society B: "Conditional fetal and infant killing by male baboons."

  • Jungtiere und trächtige Pavianweibchen sind oft Ziel von Angriffen durch Männchen, die gerne rasch eigenen Nachwuchs in die Welt setzen wollen.
    foto: reuters/goran tomasevic

    Jungtiere und trächtige Pavianweibchen sind oft Ziel von Angriffen durch Männchen, die gerne rasch eigenen Nachwuchs in die Welt setzen wollen.

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