Erwin Pröll: Strenger Landesvater hört nach 25 Jahren auf

Ansichtssache17. Jänner 2017, 14:21
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Niederösterreichs Landeshauptmann tritt im Frühjahr zurück – Der Sohn eines Weinbauern war seit 1980 in der Landesregierung

foto: apa/helmut fohringer

Erwin Pröll, Niederösterreichs mit Abstand längstdienender Landeshauptmann, tritt ab. Der seit dem Heiligen Abend 70-Jährige stand im 25. Jahr an der Spitze des größten Bundeslands. Seit Dienstag ist fix, dass er bei der Landtagswahl im Frühjahr 2018 kein sechstes Mal als Spitzenkandidat der Volkspartei ins Rennen gehen wird.

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Seit Weihnachten hatte der mächtige ÖVP-Politiker intensiv über seine Zukunft und einen Rückzug nachgedacht. Nun ging es mit der Ankündigung des Abschieds schneller als erwartet. Es habe ihn "keine Sekunde gereut", in die Politik gegangen zu sein, meinte Pröll rund um seinen Geburtstag zu Weihnachten. "Viele Glücksmomente" habe er dabei erlebt.

Im Bild: Pröll bei der Eröffnung eines Kreisverkehrs im Jahr 1998.

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Pröll wurde am 24. Dezember 1946 in eine Weinbauernfamilie in Radlbrunn (Bezirk Hollabrunn) geboren. Die Katastralgemeinde von Ziersdorf ist bis heute sein Zuhause. Nach der Matura in Tulln und dem Präsenzdienst studierte Pröll an der Universität für Bodenkultur. Noch vor seiner Promotion als Agrarökonom wurde er 1972 in den Bauernbund geholt und dort bald wirtschaftspolitischer Referent.

Im Bild: Pröll am Wahlabend 2003.

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Der ehemalige Bauernbunddirektor und ÖVP-Generalsekretär Sixtus Lanner entdeckte Prölls politisches Talent und holte ihn an seine Seite. Mit 33 Jahren wechselte Pröll nach Niederösterreich und wurde in die Landesregierung gewählt. Am 22. Oktober 1992 trat er die Nachfolge von Landeshauptmann Siegfried Ludwig an. Er ist damit der längstamtierende Landeshauptmann Österreichs und der letzte, der mit absoluter Mehrheit regiert.

Im Bild: Pröll am Wahlabend 2008.

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Bei seinem ersten Antreten als Spitzenkandidat 1993 führte die Kandidatur des kurz zuvor gegründeten Liberalen Forums dazu, dass die ÖVP die Absolute verlor. Zehn Jahre später eroberte Pröll diese mit 53,3 Prozent zurück und verteidigte die Absolute 2008 (54,4 Prozent) und 2013 (50,8 Prozent). Diese Wahlerfolge, die Errichtung der Donau-Universität in Krems und der Elite-Uni IST Austria in Klosterneuburg sowie die Entwicklung des Konzertstandorts Grafenegg nannte Pröll neben der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes die Höhepunkte seiner langjährigen Arbeit. "Der Herrgott hat's ganz schön gut mit mir gemeint", meinte er anlässlich seines 70ers.

Im Bild: Pröll mit dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im Jahr 2006.

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Pröll galt freilich nicht nur in Niederösterreich als starker Mann. Sein Wort hatte seit Jahren auch in der ÖVP allgemein und somit auch bundespolitisch großes Gewicht. Kritik gab es immer wieder an Prölls Machtpolitik, die einige als autoritäres und feudales Gehabe bezeichneten. Ein Kolumnist verpasste ihm den Titel "Sultan von St. Pölten". "Wenn man ein Landesvater sein will, muss man manchmal auch streng sein", meinte Pröll dazu in einem Interview. Zugleich frage er sich, je älter er wurde, "ob sich manche Konflikte ausgezahlt haben". Zuletzt bekam sein Bild auch wegen der Kritik an seiner Privatstiftung einige Kratzer ab. Pröll weist alle Vorwürfe zurück.

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Pröll, der mit Leopold Figl und Eduard Hartmann zwei seiner Vorgänger als politische Vorbilder nennt und den Ende Oktober 2010 verstorbenen Altlandeshauptmann Andreas Maurer stets als väterlichen Freund bezeichnete, hat wiederholt betont, gern "erster Diener" des Landes zu sein. Im März soll es damit vorbei sein. Dann will sich Pröll – er ist verheiratet, hat eine Tochter, drei Söhne und mittlerweile sechs Enkelkinder – seiner Familie widmen. Denn: "Es gibt Höheres als die Politik." (APA, red, 17.1.2017)

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