Fall Leonie: Mutter muss nicht ins Gefängnis

17. Jänner 2017, 13:41
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Teilbedingte Freiheitsstrafe in Bewährungsstrafe umgewandelt – Gericht berücksichtigte, dass die Mutter "nur Unterlassung der Hilfeleistung zu verantworten hat"

Wien – Die Mutter der kleinen Leonie, die im November 2014 nach monatelangen Misshandlungen an den Folgen der ihr beigebrachten Verbrühungen kurz vor ihrem dritten Geburtstag starb, muss nicht ins Gefängnis. Das hat das Wiener Oberlandesgericht am Dienstag entschieden. Die in erster Instanz verhängte teilbedingte Freiheitsstrafe wurde in eine gänzlich bedingte umgewandelt.

Die 27-jährige hatte im März 2016 im Wiener Landesgericht für Strafsachen als Beitragstäterin ein Jahr Haft, davon vier Monate unbedingt, erhalten. Weil die bisher unbescholtene Frau nicht selbst tätlich wurde, kam sie am Ende mit einer Bewährungsstrafe davon. Ein Berufungssenat des Oberlandesgerichts berücksichtigte, "dass sie nur die Unterlassung der Hilfeleistung zu verantworten hat. Überdies hat sie bei der Tat die eigene Tochter verloren", wie die Vorsitzende Charlotte Habl erklärte.

Das über den Vater verhängte Ersturteil von viereinhalb Jahren bezeichnete Habl als grundsätzlich angemessen. Der 28-Jährige war wegen Quälens und Vernachlässigens einer Unmündigen mit Todesfolge schuldig erkannt worden. Der Callcenter-Angestellte hatte das aufgeweckte und lebhafte Mädchen mit Wissen und Duldung seiner Partnerin seit Oktober 2013 bis zu zweimal monatlich mit eiskalten "Strafduschen" ruhiggestellt. Für Oberstaatsanwalt Peter Gildemeister eine "unaussprechliche" Vorgangsweise: "Wir sind im 21. Jahrhundert, nicht im 13."

Bei der letzten "Bestrafungsaktion" war Leonie mindestens fünf Sekunden lang 60 Grad heißem Wasser ausgesetzt, weil der Einhandmischer im Bad nicht richtig funktionierte. "Nachdem er bemerkt hat, dass heißes statt kaltes Wasser kommt, hat er's einfach noch ein bisserl weiterrinnen lassen", warf Gildemeister dem Vater vor. Leonie erlitt schwerste Verbrühungen – rund 15 Prozent der Hautoberfläche waren betroffen. Anstatt das Mädchen gleich ins Spital zu bringen, behandelten die Eltern sie notdürftig mit kühlendem Spray, Desinfektionsmittel und Verbandszeug. Erst 28 Stunden später suchten sie in einem Krankenhaus ärztliche Hilfe. Das Mädchen erholte sich nicht mehr von dem Martyrium, es starb am 10. November 2014.

Aufgrund der überlangen Verfahrensdauer bekamen beide Angeklagten, die von Verteidiger Roland Friis vertreten wurden, eine Strafreduktion von jeweils zwei Wochen gewährt. Ausschlaggebend dafür war die Erstrichterin, die zu lange für die Urteilsausfertigung gebraucht und die dafür vorgesehene Frist von vier Wochen um vier Monate überschritten hatte. Das war nach Dafürhalten des OLG "sachlich nicht gerechtfertigt" und musste "durch eine spürbare Strafmilderung ausgeglichen werden", wie OLG-Richterin Habl betonte. Somit lauten die endgültigen, nunmehr rechtskräftigen Urteile: vier Jahre, fünf Monate und zwei Wochen unbedingt für den Vater und elf Monate und zwei Wochen auf Bewährung für die Mutter. (APA, 17.1.2017)

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