Pensionskassen wollen Verankerung in Kerns Generalkollektivvertrag

17. Jänner 2017, 14:23
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Obmann Zakostelsky: Zweite Pensionssäule darin verankern – Veranlagungsertrag 2016 bei "sensationellen" 4,17 Prozent

Wien – Einem von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) in seiner Grundsatzrede ins Spiel gebrachten Generalkollektivvertrag kann Andreas Zakostelsky einiges abgewinnen. Vor allem, wenn sich darin – wie von ihm als Obmann des Fachverbands der Pensionskassen aktuell gefordert – eine Verpflichtung zur betrieblichen Altersvorsorge wiederfindet. Das würde die Durchdringung von Pensionskassenlösungen, die derzeit nur in 69 von rund 860 Kollektivverträgen implementiert sind, sprunghaft erhöhen.

"Wir glauben, dass das eine gute Maßnahme wäre, um diese Ungleichheiten zu beseitigen", sagt Zakostelsky, zudem auch ÖVP-Sprecher für private Vorsorge. Die genaue Ausgestaltung will er bei dieser möglichen Lösung auf Branchenebene festsetzen. "Im Generalkollektivvertrag sollen nicht die Details geregelt werden, sondern er soll nur die Einbeziehung der Pensionskassen vorsehen."

Die Million im Visier

Noch muss sich Zakostelsky zu den derzeitigen Rahmenbedingungen nach der Decke strecken, also die Verankerung in Kollektivverträgen einzeln erwirken. Diesbezüglich sei zuletzt Bewegung in die Verhandlungen gekommen, daher geht der Obmann "von einem starken Impuls im Herbst 2017 aus". Ob das reichen wird, um die Zahl der Anspruchsberechtigten von derzeit etwas über 900.000 Personen auf eine Million zu heben? "Das wäre Rätselraten", sagt Zakostelsky, "jedenfalls streben wir der Million hoffnungsvoll entgegen."

Zudem betont er, dass im Vorjahr 88 Prozent des Neugeschäfts von Klein- und Mittelbetrieben gekommen seien, die in der zweiten Pensionssäule bisher unterdurchschnittlich vertreten seien. Um das zu ändern, setzt Zakostelsky auf "Handlungsbürger", die eine Pensionskassenlösung von ihrem Arbeitgeber fordern würden. Zudem sollten sich Unternehmen verinnerlichen, dass sie sich dadurch als attraktiver Arbeitgeber präsentieren können. "Das ist ein Vorteil beim Kampf um die besten Köpfe."

Bekräftigt hat Zakostelsky zudem Forderungen nach der Gleichstellung der steuerlichen Absetzbarkeit von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträgen innerhalb der geltenden Zehn-Prozent-Grenze, was auch für Eigenbeiträge der Arbeitgeber gelten sollte. Des weiteren sollten Arbeitnehmerbeiträge zu den Pensionskassen wie die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge gefördert werden.

Keine Pensionskürzungen zu erwarten

Im Vorjahr erzielten Österreichs elf Pensionskassen im Durchschnitt einen Veranlagungserfolg von 4,17 Prozent. Das liegt zwar unter dem langjährigen Durchschnitt von 5,5 Prozent, ist allerdings für Zakostelsky mit Blick auf die Rahmenbedingungen einer Niedrigzinsphase ein "sensationelles Ergebnis". Die Bandbreite der Performance der einzelnen Anbieter wurde mit 2,5 bis fünf Prozent angegeben.

Was das für die derzeit 93.000 Pensionsbezieher bedeutet, wird laut Zakosteslsky erst Ende März nach Abschluss der versicherungsmathematischen Berechnungen feststehen. Pensionskürzungen seien aber nicht zu befürchten. "Bei einer Performancebasis von vier Prozent ist ein sehr guter Grundstock gelegt." Für 2015 habe es bei bloß 2,32 Prozent Performance "grosso modo" keine Kürzungen gegeben. Die durchschnittliche Pensionshöhe wird derzeit mit 499,20 Euro beziffert, das entspricht einem Anstieg um ungefähr 15 Euro. (Alexander Hahn, 17.1.2017)

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