Hürdenreiche Ausreise nach Fehlgeburt und Haft wegen Falschverdachts

16. Jänner 2017, 18:30
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Nigerianerin war monatelang auf zivilgesellschaftliche Hilfe angewiesen. Seelsorgerin: "Es fehlt jede Vorsorge"

Abuja/Wien – Nicht nur Einreise und Verbleib in Österreich – auch die Ausreise kann für Ausländer zum Problem werden. So etwa im Fall jener 27-jährigen nigerianischen Studentin, die im November im Transit des Flughafens Schwechat eine Sturzgeburt erlitt. Sie legte das Kind in einen Mistkübel – es starb. Die Frau kam wegen Verdachts der Tötung eines Kindes für zehn Tage in U-Haft.

Dann zerstreute sich der Verdacht – das Kind wäre nicht überlebensfähig gewesen -, die Nigerianerin kam frei. Doch Papiere, die den Grund ihres Aufenthalts in Österreich dokumentiert hätten, erhielt sie keine – der Standard berichtete. Beim Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hieß es, sie solle bei der Ausreise einfach ihren Haftentlassungsschein vorzeigen.

Am Gate ging es nicht weiter

Dienstag vor einer Woche war es soweit. Nach Abschied von der Seelsorgerin, die sie wochenlang privat betreut und ihr das Ticket nach Nigeria vorfinanziert hatte, durchschritt die Studentin in Schwechat Gate D. "Bei der Passkontrolle wurde sie aufgehalten. Der Polizist ließ sie nicht weitergehen", schildert die Seelsorgerin.

Sie habe die junge Frau am Handy angerufen, um mit dem Polizisten zu sprechen. Dieser habe verweigert. Also habe sie telefonisch den Rechtsanwalt alarmiert, auf dass er das BFA kontaktiere. Erst Minuten vor dem Start des Fliegers sei ihr Schützling weitergelassen worden.

Ohne Hilfe Privater wäre das der jungen Frau nicht gelungen, fasst die Seelsorgerin zusammen: "Nach der Haft war sie illegal im Land, durch Fehlgeburt und Gefängnis geschockt und mittellos." Für Fälle wie diese fehle jede Vorsorge: "Man riskiert, dass Menschen auf der Straße landen." (bri, 16.1.2017)

  • Transitbereich am Flughafen Schwechat: hier erlitt die junge Frau in einer Toilette eine Sturzgeburt.
    foto: apa/flughafenwien - pressestelle

    Transitbereich am Flughafen Schwechat: hier erlitt die junge Frau in einer Toilette eine Sturzgeburt.

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