Pröll-Stiftung: ÖVP Niederösterreich greift "Falter"-Chefredakteur an

16. Jänner 2017, 16:08
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Journalistengewerkschaft zweifelt an Ebners Qualifikation für ein öffentliches Amt

Wien/St. Pölten – Die ÖVP Niederösterreich greift nun wegen der Berichterstattung über die Privatstiftung von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) im "Falter" dessen Chefredakteur Florian Klenk persönlich an. Dieser leide an "Skandalisierungs-Neurotik", erklärte ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner am Montag in einer Aussendung. Klenk sei ein "selbsternannter Aufdecker-Journalist", der eine "Sudelkampagne" fahre.

Eder forderte zudem Auskunft darüber, was Klenk als Vortragender beim APA-Campus der APA-Austria Presse Agentur verdient. Denn die APA ist nach Meinung Ebners "indirekt über die Presseförderung finanziert", womit "Steuergeld verwendet" werde.

Dem konterte APA-Geschäftsführerin Karin Thiller: "Wir halten unmissverständlich fest, dass die APA weder direkt noch indirekt über Presseförderung oder sonstige staatliche Subventionen finanziert wird." Im Übrigen sei der APA-Campus "ein seit Jahren etabliertes Schulungsformat, für das wir renommierte Journalisten und Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft als Vortragende gewinnen können", ergänzte sie.

Journalistengewerkschaft zweifelt an Ebners Qualifikation für ein öffentliches Amt

Als "ungeheuerlich und demokratieschädigend" bezeichnet die Journalistengewerkschaft in der GPA-djp die Vorwürfe von Ebner, wonach "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk in Seminaren "Tipps zur Verdachtsberichterstattung, Rufmord und Skandalisierung" gebe. "Ebner wirft Klenk mit seinen unsäglichen Äußerungen die Anstiftung zu strafbaren Handlungen vor. Dass Politiker sich zu einer derartigen Wortwahl versteigen, lässt massive Zweifel an deren Qualifikation für ein öffentliches Amt aufkommen", sagt Franz C. Bauer, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft.

Der "Falter" habe lediglich einen aus Sicht der Redaktion "fragwürdigen Vorgang an die Öffentlichkeit gebracht", und dass der Rechnungshof nun prüfen will, zeige, dass "es hier tatsächlich Aufklärungsbedarf gibt". Damit habe die Wochenzeitung schlicht eine der "Grundaufgaben der Medien" erfüllt. "Wer das Recht auf freie Meinungsäußerung attackiert, greift damit eine Säule der Demokratie an", sagte Bauer. (APA, red, 16.1.2017)

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