IWF bei Wachstum trotz Trump-Unsicherheiten optimistisch

16. Jänner 2017, 15:21
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Währungsfonds: Künftige Politik Donald Trumps noch nicht genau abschätzbar – Chefvolkswirt: "Die Unsicherheit hat zugenommen" – Höhere Prognosen für USA, Deutschland

Washington/Berlin – Der IWF sieht trotz Unsicherheiten über die Politik des künftigen US-Präsidenten Donald Trump Chancen für eine anziehende Weltwirtschaft. Im Kern gehe man davon aus, dass die globale Konjunktur nach 3,1 Prozent Wachstum 2016 in diesem Jahr um 3,4 Prozent und im nächsten Jahr um 3,6 Prozent zulegt, teilte der Internationale Währungsfonds am Montag mit und bekräftigte damit seine Herbst-Prognose.

IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld mahnte aber: "Die Unsicherheit hat zugenommen." Unklar sei, wie Trumps Politik aussehen werde. Sie beinhalte Chancen, aber auch massive Risiken etwa für die Handels-, Dollar- und Schuldenentwicklung. Für wahrscheinlich hält der Fonds eine stärkere Ausgabenpolitik, die die Wachstumsaussichten in den USA etwas verbessert. Zudem dürfte die US-Notenbank ihre Abkehr von der lockeren Geldpolitik beschleunigen.

Viele Risiken

"Es gibt eine ungewöhnlich breite Palette an Aufwärts- und Abwärtsrisiken für diesen Ausblick", sagte Obstfeld. Es gebe die Chance, dass Trumps Politik für einen Wachstumsschub ohne steigende Verbraucherpreise sorge, was den Zinsanstieg verlangsamen könnte. Denkbar sei aber auch, dass seine Politik in der Wirtschaft an Kapazitätsgrenzen stoße, so die Inflation anheize und damit kräftige Zinserhöhungen auslöse. Das wiederum könnte das US-Budget tiefer in die roten Zahlen bringen und das Leistungsbilanzdefizit und den Dollar nach oben treiben. Damit drohten weltweit größere Ungleichgewichte und eine schärfere Abschottung von Märkten. Man werde wohl erst im April besser abschätzen können, wohin die Reise mit Trump gehe.

Der IWF erwartet höhere Staatsausgaben und niedrigere Steuern durch eine Trump-Regierung und rechnet deshalb mit kurzfristigen Impulsen für die US-Konjunktur. Der Fonds erhöhte daher seine US-Wachstumsprognose um 0,1 Punkte auf 2,3 Prozent für dieses Jahr und um 0,4 Punkte auf 2,5 Prozent für 2018.

Auch für Deutschland ist der IWF etwas zuversichtlicher. Er erwartet eine Wachstumsbeschleunigung gegenüber der bisherigen Schätzung von je 0,1 Prozentpunkten auf 1,5 Prozent in beiden Jahren. Für das Eurosorgenland Italien senkte der Fonds seine Schätzungen spürbar und rechnet dort nur noch mit 0,7 Prozent in diesem und 0,8 Prozent im nächsten Jahr. China dürfte 2017 mit 6,5 Prozent um 0,3 Punkte stärker zulegen als im Oktober vorausgesagt. Für 2018 bekräftigte der Fonds seine Prognose von plus 6,0 Prozent. Insgesamt laufe es in den Industrieländern wieder etwas besser.

Freier Handel wird immer mehr abgelehnt

An Risiko und Unsicherheit in der Weltwirtschaft gilt aber nicht nur Trump, der alles dem Wohlergehen der USA unterordnen will. Generell sieht der Fonds auch eine wachsende Ablehnung in den USA und in Europa gegen den freien Welthandel, Zuwanderung und internationale Engagements. Daneben zeigt er sich besorgt über die hohe private und öffentliche Verschuldung in vielen Teilen der Welt. Auf die Stimmung in Europa drückt nach Obstfelds Worten neben dem mauen Wachstum und den bevorstehenden Wahlen in vielen wichtigen EU-Ländern auch die unklare Situation über den angekündigten EU-Austritt der Briten.

Der Fonds erneuerte die Forderung, dass die Weltwirtschaft auf einen stabileren und dauerhaft höheren Wachstumspfad gebracht werden müsse. So solle jedes Land je nach seinen Gegebenheiten auf einen geeigneten Mix aus Impulsen von der Geldpolitik, der Finanzpolitik und Strukturreformen setzen. Für Länder wie Deutschland, die wirtschaftlich an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiteten, sollte das Schwergewicht nicht auf kurzfristigen Nachfrageimpulse durch mehr Staatsausgaben liegen. Vielmehr empfiehlt der Fonds zukunftsgerichtete Investitionen, etwa in Bildung und Infrastruktur, um das Wachstumspotenzial zu erhöhen. Dabei könnten auch Steuerreformen helfen. Strukturreformen blieben in allen Ländern ein Thema. (APA, Reuters, 16.1.2017)

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