Mario Vargas Llosa: Ein überschätzter Literaturnobelpreisträger?

User-Diskussion19. Jänner 2017, 13:00
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Ein Literaturnobelpreis schützt nicht vor literarischen Fehlschlägen. Den Eindruck bekommt man, wenn man die Kritiken seines neuesten Romans liest. Wie gerne lesen Sie die Werke des Schriftstellers?

Mario Vargas Llosa hat ein neues Buch geschrieben. "Die Enthüllung" sorgt jedoch – anders als seine früheren Werke – nicht für Begeisterungsstürme. In der STANDARD-Rezension heißt es: "Schlecht geschriebener Erotismus und Kolportage: Der peruanische Nobelpreisträger ist literarisch tief gesunken." Auch die "Zeit" findet an dem Buch "bloß das Thema interessant" – den Anfang vom Ende der Fujimori-Diktatur, die Verwicklungen des Geheimdienstchefs Montesino mit dem Boulevard und deren Auswirkungen auf einzelne Personen.

Ist dieser Roman in den Augen vieler Kritiker nicht wirklich gelungen, so trifft das Gegenteil auf Vargas Llosas frühere Werke zu. Immerhin wurde ihm 2010 der Literaturnobelpreis für "seine Kartografie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage" verliehen. Und nicht nur als Schriftsteller sorgte Vargas Llosa für Furore. Im Jahr 1990 kandidierte er, durchaus aussichtsreich, für das Amt des peruanischen Staatspräsidenten, verlor jedoch in der Stichwahl gegen Alberto Fujimori.

Lateinamerikanische Klassiker

Der teilweise autobiografische Roman "Die Stadt und die Hunde" markierte den Start von Vargas Llosas über 50-jähriger Karriere. Komplexe Erzählstrukturen sind eines seiner Markenzeichen. Zahlreiche parallele Handlungsstränge – wie in "Das grüne Haus" – sowie Zeit- und Erzählersprünge – wie in "Gespräche in der 'Kathedrale'", in dem über 70 Einzelschicksale verarbeitet werden – sind durchaus üblich.

Nicht nur Peru, auch andere Länder Lateinamerikas bilden den Hintergrund für Vargas Llosas Romane. "Das Fest der Ziegenbocks" beschreibt die Zeit um den Anschlag auf den dominikanischen Diktator Trujillo aus verschiedenen Perspektiven. In "Krieg am Ende der Welt" geht es um den Krieg von Canudos zu Anfangszeiten der brasilianischen Republik. Und "Das Paradies ist anderswo" folgt dem Maler Gauguin gar bis nach Polynesien.

Welche Werke des Autors stehen in Ihrem Bücherregal?

Wie stehen Sie zu Vargas Llosas Werk? Welche seiner Romane schätzen Sie, welche haben Sie enttäuscht zurückgelassen? Finden Sie die Kritik an seinem neuesten Buch berechtigt? (aan, 19.1.2017)

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    foto: reuters/andrea comas

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