AK-Konferenz in Linz diskutiert zum Thema Arbeitszeit

16. Jänner 2017, 14:17
posten

"Inspiration" schwedisches Experiment mit Sechs-Stunden-Tag

Linz/Wien – Die Arbeiterkammer Oberösterreich diskutiert in einer Konferenz am Montag und am Dienstag in Linz Grundsätzliches zum Thema Arbeitszeit. Zur "Inspiration" stellte der stellvertretende Bürgermeister von Göteborg in Schweden Daniel Bernmar ein Experiment mit einem Sechs-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich in einem Pflegeheim für Senioren vor.

Für zwei Jahre wurde die tägliche Arbeitszeit von fast acht Stunden für Pflegehelfer auf sechs Stunden verkürzt. Der nunmehr beendete Versuch habe beim Personal einen Rückgang der Krankenstände um 10 Prozent ergeben, das persönliche Gesundheitsgefühl und die Zufriedenheit sei gestiegen, die Pfleger seien nicht mehr so unter Druck gestanden. Ihre Schützlinge hätten sich besser betreut gefühlt – beispielsweise durch erhöhte Aufmerksamkeit. Allerdings mussten mehr Mitarbeiter aufgenommen werden, die Personalkosten stiegen dadurch um 20 bis 25 Prozent. Rund die Hälfte sei durch geringere Ausfallszeiten kompensiert worden. Langfristige Vorteile – unter anderem, dass die Beschäftigten länger arbeitsfähig bleiben und nicht aus Krankheitsgründen vorzeitig aus dem Berufsleben ausscheiden – seien dabei noch nicht berechnet worden.

Eine komplette Umsetzung dieses Modells werde kurzfristig nicht gehen, gesteht der Präsident der AK Oberösterreich Johann Kalliauer zu. Aber Schichtmodelle mit 32 Stunden pro Woche und ähnliche Regelungen in Kollektiverträgen und Betriebsvereinbarungen kämen dem schon nahe. In der Diskussion um die Arbeitszeit gebe es verschiedene Aspekte – unter anderem Verteilung der Arbeit, Flexibilität und lebensphasengerechtes Arbeiten. Aber ohne Verkürzung der Arbeitszeit und Lohnausgleich werde es nicht gehen, ist er überzeugt. Die Konferenz solle die Rahmenbedingungen erörtern und auch No-Gos definieren.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Rudolf Trauner, sieht hingegen im Zusammenhang mit dem Thema Arbeitszeit-Flexibilisierung sozialpolitische Experimente in Schweden oder Frankreich "nachweislich gescheitert", wie er in einer Presseaussendung am Montag feststellte. Er wünscht sich eine "offene Diskussion in bester sozialpartnerschaftlicher Tradition". Oberstes Ziel sei eine Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit auf maximal 12 Stunden sei letztlich alternativlos – im Gegenzug könne es attraktive Arbeitszeit- und Freizeitmodelle für die Mitarbeiter geben. (APA, 16.1.2017)

Share if you care.