Wie Essen und Immunsystem interagieren

16. Jänner 2017, 17:00
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Jede Mahlzeit wird von Immunzellen inspiziert, kurzfristig ausgelöste Entzündung haben schützende Wirkung – bei Typ2-Diabetikern ist dieses Zusammenspiel gestört

Bei jedem Essen gelangen auch Bakterien in den Körper, die es abzuwehren gilt. Dabei kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die bei Gesunden schützend wirkt. Bei Übergewichtigen fällt sie jedoch so heftig aus, dass sie zu Diabetes führen kann, wie Basler Forscher berichteten.

Wissenschafter um Marc Donath vom Universitätsspital Basel fanden in Versuchen mit Mäusen heraus, dass sich bestimmte Immunzellen während einer Mahlzeit im Darm sammeln. Diese Immunzellen, Makrophagen genannt, produzieren dann je nach Blutzuckerspiegel einen Entzündungsbotenstoff, der die Insulinausschüttung in der Bauchspeicheldrüse anregt.

Essen löse also eine kurzfristige Entzündung aus, die für die Verarbeitung des aufgenommenen Zuckers wichtig sei, teilte die Universität Basel mit. Der Entzündungsbotenstoff – Interleukin-1beta genannt – reguliert demnach gemeinsam mit Insulin den Blutzucker.

Nahrung unschädlich machen

Außerdem sorgt der Botenstoff dafür, dass das Immunsystem mit Zucker versorgt und aktiviert wird. Dies ist wiederum wichtig, um die mit der Nahrung aufgenommene Bakterien unschädlich zu machen.

Interleukin-1beta spielt aber auch bei der Entstehung von Altersdiabetes (Typ-2-Diabetes) eine wichtige Rolle, da er bei dieser Erkrankung chronisch ausgeschüttet wird. Dies schädigt die Insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse.

Die Bedeutung von Interleukin-1beta für den gesunden Zuckerstoffwechsel sei bisher relativ unerforscht gewesen, schrieben die Wissenschafter im Fachblatt Nature Immunology. Die gleiche Entzündung, die bei Gesunden schützend wirkt, kann also bei Übergewichtigen chronisch werden und zu Diabetes führen.

Stoffwechsel kooperiert mit Immunsystem

Dieses Zusammenspiel aus Stoffwechsel und Immunsystem ist laut den Forschern von den aufgenommen Bakterien und Nährstoffen abhängig. Werden ausreichend Nährstoffe aufgenommen, wird auch das Immunsystem mit genügend Zucker versorgt, um auf Bakterien angemessen reagieren zu können.

Bei Nahrungsmangel hingegen müssen die wenigen Kalorien für wichtige Lebensfunktionen eingespart werden, schrieb die Uni Basel. Das gehe zulasten der Immunantwort. Das könnte auch erklären, warum bei Hungersnöten oft Infektionskrankheiten auftreten. (APA, 16.1.2017)

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