Eine Woche vor Amtseinführung: Donald Trump sucht den Superstar

16. Jänner 2017, 11:38
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Hollywood attackiert ihn, Musiker distanzieren sich: Die Suche nach Stars zur Vereidigung wird für Donald Trump zur Blamage

Washington – Elton John, die Beach Boys, die Dixie Chicks, die britische Sängerin Rebecca Ferguson und der Tenor Andrea Bocelli, DJ Moby – die Liste der Musiker, die von Donald Trumps Booking-Agenten kontaktiert wurden, um bei dessen Inauguration am Freitag zu singen, ist lang. Und genauso lang ist die Liste der Absagen, die er darauf zurückbekam. Wenn ihm nicht gleich über die Medien oder Twitter Hohn ausgerichtet wurde.

"Hahahahaha, wartet, Hahahaha, wirklich?", veröffentlichte Moby, als er angefragt wurde, auf Instagram: "Ich lache immer noch." So einen Auftritt würde er höchstens in Betracht ziehen, wenn Trump im Gegenzug seine Steuererklärung veröffentlichen würde. Broadway-Sängerin Jennifer Holliday sagte erst zu – und dann nach lautstarker Kritik ihrer Fans wieder ab. Ihr sei ein "Fehler in der Beurteilung" unterlaufen.

Privat statt Staat

Trump ließ das zumindest im Dezember noch äußerlich kalt. Er wolle ohnehin "die Menschen!", twitterte er damals nach Anfangsschwierigkeiten bei der Suche nach Showacts. Ob er die Branche – auch Filmstars, zuletzt Schauspielerin Meryl Streep bei der Verleihung der Golden Globes, zeigen sich kritisch – für ihren Unwillen, zu ihm zu stehen, wird strafen können? Immerhin reagierte er auf Streeps Rede durchaus gewohnt dünnhäutig und sprach in seiner Antwort von einer der "am meisten überbewerteten Schauspielerinnen Hollywoods".

771 Milliarden Dollar (725 Mrd Euro) könnte der Umsatz der Medien- und Unterhaltungsindustrie der USA im Jahr 2019 betragen, schätzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Da Film, Fernsehen, Radio, Musik- und Buchveröffentlichungen sowie Videospiele jedoch zum Großteil aus der Privatwirtschaft finanziert werden, dürfte Trumps Einfluss auf die Branche überschaubar bleiben.

Zerwürfnisse bei Auftretenden

Was an Programmpunkten für die Feier am Freitag immerhin feststeht: Die Nationalhymne soll laut "New York Times" Jackie Evancho singen, die bei der Casting-Show "America's Got Talent" 2010 den zweiten Platz holte. Sonst im Programm: Die Tänzerinnen The Rockettes, die vor allem zu Weihnachten in New York ihre Beine in die Höhe schmeißen und bei denen die Pläne für ihren Auftritt zu internen Streitigkeiten geführt haben. Und dann wäre da noch der Mormon Tabernacle Choir, ein 360 Männer und Frauen zählender religiöser Chor aus Utah. Mindestens ein Mitglied ist wegen des Trump-Auftritts bereits ausgetreten.

Auch einige Mitglieder des Chors der National Cathedral in Washington beurteilen ihren geplanten Auftritt bei der Amtseinführung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump als nicht richtig. Am Wochenende erklärten kritische Chormitglieder laut Kathpress in der US-Presse ihre Vorbehalte. Sie wollten nicht für jemanden auftreten, der sich in so harschem Ton über Muslime oder Immigranten äußere. (APA, red, 16.1.2017)

  • cat's classics

    Meryl Streeps Trump-kritische Rede bei der Verleihung der Golden Globes vergangene Woche erntete beim Publikum wie auch in den sozialen Netzwerken und Medien viel Zuspruch.

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