Microsoft drängt Chrome-Nutzer zu Umstieg auf Edge

16. Jänner 2017, 11:33
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Mit Werbe-Pop-up, auch Firefox im Visier – Konzern verweist bei Beschwerde auf Feedback-App

Monatelang war es vergleichsweise ruhig im Wettstreit um die beste Surf-Software. Zuletzt gab es im Spätsommer ein kurzes PR-Scharmützel, als sich Microsoft und Google ein Duell um die geringere Akkubelastung ihrer Browser lieferten.

Nun startet Microsoft die "Browsers Wars" erneut. Unter Windows 10 wirbt man neuerdings für den eigenen Edge-Browser, wenn Nutzer Google Chrome oder Mozilla Firefox ausführen.

Werbe-Pop-up bei Start von Chrome und Firefox

Beim Ausführen eines alternativen Surftools kann es nun passieren, dass über dem standardmäßig auf der Task-Leiste untergebrachten Schnellstart-Icon von Edge ein Pop-up-Fenster aufgeht. "Microsoft Edge ist sicherer als Chrome", heißt es etwa, wenn man den Google-Browser in Betrieb nimmt. Denn Edge würde "13 Prozent mehr Social-Engineering-Schadsoftware" blockieren.

Ein Klick auf das Fenster führt auf eine Microsoft-Website, die verschiedene Vergleiche zwischen Edge, Chrome und Firefox anstellt. Bei der "Blockierungsrate" für "Social-Engineering-Schadsoftware" und "Phishing-Websites" steht Edge hier besser da als seine Konkurrenten. Dazu soll er auch weniger Sicherheitslücken aufweisen.

foto: screenshot

Berufung auf Untersuchung

Bei ersten beiden Aspekten bezieht man sich auf Untersuchungen von NSS Labs. Diese wurden im November veröffentlicht und beziehen sich auf die Chrome-Version 53, Firefox 48 und Edge 38, die im vergangenen August die aktuellsten stabilen Ausgaben waren. Der Link zum Report führt zur NSS-Seite, wo die Untersuchung über ein zusätzliches Formular kostenlos angefordert werden kann.

In den Reports werden die von Microsoft übernommenen Angaben bestätigt. Die Zahlen zu den Sicherheitslücken stützen sich wiederum auf die US National Vulnerability Database im Zeitraum von November 2015 bis Oktober 2016.

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Windows überwacht laufende Prozesse und Programme. Dies ist unumgänglich, damit die Software überhaupt ihre Funktion als Betriebssystem erfüllen kann. Im konkreten Fall wird dieses Monitoring allerdings verwendet, um dem Nutzer ohne Rückfrage vergleichende Werbung anzuzeigen.

Und selbst wer das Edge-Icon von der Taskleiste entfernt hat, kann beim Start von Chrome oder Firefox damit konfrontiert werden, denn sie wird auch im Benachrichtigungszentrum ausgespielt.

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Wo man die Werbe-Popups abschalten kann.

Microsoft verweist auf Feedback-App

Per Twitter mit der Fragwürdigkeit dieses Vorgehens konfrontiert, verwies Microsoft Österreich lapidar auf die Feedback-App von Windows 10. "Wenn dir solche Hinweise nicht gefallen, kannst du unsere Entwickler per Feedback App weiter sagen" [sic!] hieß es in der Antwort. Microsoft selbst klassifiziert derlei Einblendungen nicht als Werbung.

Derlei Popus lassen sich in den Benachrichtigungseinstellungen der Systemsteuerung allerdings auch ausschalten. Den dazugehörigen Menüpunkt "Bei der Nutzung von Windows Tipps, Tricks und Vorschläge erhalten" findet sich in den Benachrichtigungseinstellungen in der "System"-Kategorie. Diese Option ist standardmäßig aktiviert.

Marktanteile: Edge weit hinter Chrome und Firefox

Die Gründe für diese aggressive Werbemaßnahme könnten in der recht niedrigen Verbreitung von Edge liegen. Der offizielle Nachfolger des Internet Explorer kommt nach Zahlen von Netmarketshare derzeit auf 5,33 Prozent Marktanteil im Desktop-Segment. Konkurrent Firefox liegt bei 12,22 Prozent, Chrome dominiert das Feld mit über 56 Prozent. Selbst der Internet Explorer selbst liegt mit 20 Prozent noch deutlich darüber.

Ein Grund dafür ist freilich, dass Edge nur unter Windows 10 zur Verfügung steht. Das neueste, vor anderthalb Jahren fertiggestellte System kommt, ebenfalls laut Netmarketshare, momentan auf 24,36 Prozent Marktanteil. Edge ist als Standardbrowser vorinstalliert, den aktuellen Zahlen zufolge rüsten allerdings gut vier Fünftel aller Nutzer auf eine andere Surfsoftware um. (gpi, 16.1.2017)

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