Mehr als 30 Tote bei Absturz eines türkischen Frachtjumbos in Kirgistan

16. Jänner 2017, 11:07
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Die Maschine stürzte beim Landeanflug auf den Flughafen Bischkek ab. 15 Gebäude wurden zerstört, unter den Opfern sind auch viele Kinder

Bischkek – Beim Absturz eines Frachtflugzeugs in der Nähe des Flughafens von Bischkek in Kirgistan sind Montagfrüh mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder. Das Unglück ereignete sich bei dichtem Nebel während des Landeanflugs auf den Hauptstadtflughafen über dicht besiedeltem Gebiet, teilten die Behörden mit.

grafik: apa

Nach Angaben der Behörden ist der Absturz auf einen Pilotenfehler zurückzuführen. Auf diese Einschätzung kämen Experten aufgrund erster Informationen, sagte der stellvertretende kirgisische Ministerpräsident Muhammetkaly Abulgasi am Montag.

Die Maschine mit der Registrierung TC-MCL habe auf dem Weg von Hongkong nach Istanbul auf dem Flughafen Manas in der Nähe der kirgisischen Hauptstadt Bischkek zwischenlanden sollen.

Opfer zum Großteil Einwohner eines Dorfes

Die Mehrheit der Opfer seien Einwohner eines Dorfes, sagte ein Sprecher des Katastrophenschutzministeriums. "Aber die Informationen ändern sich ständig, und wir glauben, die Zahl der Toten könnte steigen", zitierte die Nachrichtenagentur Tass das Ministerium. 15 Gebäude seien zerstört worden, mehr als 40 Häuser hätten Schaden genommen.

Zuvor hatte das Ministerium von mindestens 20 Toten gesprochen. Acht Menschen wurden demnach verletzt geborgen, darunter sechs Kinder. Auch vier Piloten starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums. Die kirgisischen Behörden hatten zunächst von einer Maschine der Turkish Airlines gesprochen. ACT wurde nach eigenen Angaben 2004 gegründet. Sie ist demnach fast vollständig im Besitz einer chinesischen Gruppe und eines türkischen Teilhabers.

Flughafen geschlossen

Der internationale Flughafen Manas außerhalb der Hauptstadt wurde geschlossen, Flüge bis zum Abend ausgesetzt. Ministerpräsident Sooronbai Dscheenbekow übernahm die Leitung einer eigens eingerichteten Sonderkommission zur Untersuchung der Umstände des Unglücks. (APA, 16.1.2017)


Wissen

Bei Flugzeugabstürzen über dicht besiedelten Gebieten kommen oft auch Menschen am Boden ums Leben. Eine Auswahl von schweren Unfällen der vergangenen Jahre:

Juni 2015 – Mitten in der indonesischen Millionenstadt Medan stürzt ein Transportflugzeug des Militärs vom Typ Lockheed C-130 ab. Mehr als 140 Menschen kommen ums Leben, darunter alle 122 Soldaten und Angehörige an Bord der Maschine sowie rund 20 Menschen am Boden.

Februar 2015 – Bei einem Flugzeugabsturz in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, sterben 43 der 58 Insassen. Da das Flugzeug vom Typ ATR 72 mitten in einem Wohngebiet in einen Fluss stürzt, kommt am Boden niemand ums Leben.

Juni 2011 – Eine Maschine vom Typ Tupolew Tu-134 stürzt über der russischen Stadt Petrosawodsk ab. Mehr als 40 der 52 Insassen kommen dabei ums Leben. Obwohl das Flugzeug in einem Wohngebiet aufschlägt, wird niemand in der Stadt verletzt.

Mai 2009 – In Indonesien stürzt ein Militärflugzeug vom Typ Lockheed C-130 mit mehr als 100 Menschen an Bord über einem Wohngebiet ab. Mindestens 99 Menschen kommen ums Leben, darunter zwei Dorfbewohner. 15 Überlebende erleiden teils schwere Brandverletzungen.

Oktober 2007 – Ein Transportflugzeug vom Typ Antonow An-26 stürzt in ein Wohngebiet von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Mehrere Häuser gehen in Flammen auf. Mindestens 50 Menschen kommen ums Leben.

Dezember 2005 – In Teheran stürzt eine Transportmaschine der iranischen Luftwaffe vom Typ Lockheed C-130 über einem Wohngebiet ab. Alle 94 Insassen und zwölf Menschen am Boden kommen ums Leben.

Mai 2002 – Unmittelbar nach dem Start im nigerianischen Kano stürzt die Maschine einer nigerianischen Privatgesellschaft vom Typ BAC 1-11 auf die Stadt. Sie zerstört unter anderem eine Schule und eine Moschee. 75 Menschen am Boden und 74 Passagiere sterben. (APA, 16.1.2017)

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    apa/afp/vyacheslav oseledko
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