Umfrage: Profil der SPÖ fast so schwach wie das der ÖVP

16. Jänner 2017, 05:30
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Das Image der beiden Koalitionsparteien ist sehr ähnlich – das dürfte der Hintergrund dafür sein, dass sich Kanzler Christian Kern um ein neues Profil und neue Inhalte bemüht

Linz – 57 Prozent der österreichischen Wahlberechtigten geben an, dass sie schon einmal – auf Gemeinde-, Landes- oder Bundesebene – SPÖ gewählt haben, 32 Prozent haben die Sozialdemokraten schon mehrfach gewählt. Damit liegt die SPÖ vor der ÖVP (zu deren Wahl sich 51 Prozent bekennen) und auch vor Freiheitlichen (40 Prozent) und Grünen (38).

Die SPÖ ist der Wählerschaft also gut vertraut – aber nur jene, die die SPÖ schon mehrfach gewählt haben, sehen sie als so besonders an, dass sie in signifikantem Maß die Aussage ablehnen, die SPÖ wäre eine Partei wie jede andere. Das geht aus der vierten Umfragewelle hervor, in der das Linzer Market-Institut die Profile der Regierungs- und der beiden größeren Oppositionsparteien herausgearbeitet hat.

Nur Freiheitliche klar anders

Die Grafik zeigt: Nur den Freiheitlichen wird zugebilligt, anders als die anderen Parteien zu sein – was allerdings nicht nur positiv gesehen wird: 64 Prozent meinen, dass eine FPÖ-Regierungsbeteiligung die österreichische Gesellschaft spalten würde.

Was die Grafik ebenfalls erkennen lässt: Das Parteiprofil der SPÖ ist jenem der Volkspartei sehr ähnlich: Ihr Profil als Partei der Arbeitnehmer ist nur um sechs Prozentpunkte deutlicher ausgeprägt als das der ÖVP – und sie wird etwa im selben Maß wie ihr Koalitionspartner in der nächsten Bundesregierung gewünscht.

Nur 16 Prozent sehen "neue Ideen" bei SPÖ und ÖVP

"Zwischen der Einschätzung der SPÖ und der Einschätzung der ÖVP gibt es so deutliche Übereinstimmungen, dass man gut verstehen kann, dass der Bundeskanzler versucht, seiner Partei ein neues Image und neue Inhalte zu verpassen. Wenn man beklagt, dass die ÖVP keine neuen Ideen hätte, dann muss man ja nur schauen, ob der SPÖ neue Ideen zugetraut werden. Es ist ja Zufall, auch weil die Einschätzungen aus unterschiedlichen Befragungswellen kommen: Aber der SPÖ trauen genau gleich wenige Befragte Innovation zu wie der ÖVP", sagt Market-Forscher David Pfarrhofer.

Der FPÖ und vor allem den Grünen wird wesentlich mehr Ideenpotenzial oder auch ein klarerer Plan für die Zukunft Österreichs zugetraut. 63 Prozent der Befragten (und immerhin jeder Zweite ihrer Stammwähler) erklärten drei Wochen vor der vielbeachteten Rede von Bundeskanzler Christian Kern explizit, dass die SPÖ keine klaren Zukunftsvorstellungen habe – nur 18 Prozent der Wahlberechtigten meinten, dass die SPÖ einen klaren Plan habe.

Kerns Versuch, Stimmung aufzuhellen

"Es ist zu früh, darüber zu urteilen, ob eine großangelegte Rede mit der entsprechenden begleitenden Medienarbeit rundherum da grundlegend etwas ändern kann", sagt Pfarrhofer. Es sei aber jedenfalls ein guter Versuch, die Stimmung aufzuhellen.

Immerhin wird die SPÖ (ähnlich wie die ÖVP) von 37 Prozent für den Stillstand in der Bundesregierung verantwortlich gemacht. Mehr noch: 29 Prozent werfen ihr vor, sich zu sehr in das Leben, das sie selbst führen, einmischen zu wollen. Es sind vor allem Männer und Befragte über 30, die diesen Eindruck haben – weitverbreitet ist der Vorwurf auch unter FPÖ-Wählern. Erklärte SPÖ-Wähler werfen dasselbe übrigens den Freiheitlichen vor.

36 Prozent sehen Behinderung von Leistung

Noch schärfer ist der immerhin von 36 Prozent geteilte (aber von 41 Prozent dezidiert abgelehnte) Vorwurf, die SPÖ behindere "leistungsorientierte Personen in unserer Gesellschaft".

Zum Image der SPÖ gehört auch, dass nur jeder vierte Befragte ihr zugesteht, für Anstand in der Politik zu stehen (in der Umfrage ist das eine Domäne der Grünen).

Gerechtigkeit als Stärke der Sozialdemokratie

Was der Vergleich der Parteien auch zeigt: Die SPÖ steht mehr als alle anderen für eine gerechtere Gesellschaft, am nächsten kommen ihr in diesem Punkt die Grünen. Fragt man konkret nach der Sensibilität in Menschenrechtsfragen, so liegt die SPÖ zwar klar vor ÖVP und FPÖ, aber 26 Prozentpunkte hinter den Grünen. (Conrad Seidl, 16.1.2017)

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