"Tatort" aus Köln über Flüchtlinge: "Eins a" oder "zu viele Vorurteile"?

Ansichtssache15. Jänner 2017, 19:00
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Wien – Ein "Tatort" denkt die Silvesternacht von Köln 2015/16 weiter – sehenswert und realistisch, sagen die einen. Zu konstruiert, zu langweilig, die anderen. Wie sehen Sie die "Wacht am Rhein" (Sonntag, 20.15 Uhr, ORF 2 und ARD). Hier gibt's dazu das Etatort-Forum:

orf/ard/thomas kost

"Eins-a-Debattenstoff"

"Ein Marokkaner, der sich in einer deutschen Bürgerwehr gegen kriminelle Nordafrikaner engagiert. Ein schwarzer Polizist, der von weißen Mitgliedern dieser Bürgerwehr verprügelt wird. Eine Polizeiführung, die in der Stadt Billboard-Plakate mit dem Spruch "Wir leben Integration" aufhängen lässt. Nach dem Frankfurter "Tatort" von vergangener Woche beschäftigt sich auch der Kölner mit den aktuellen Konfusionen zwischen Flüchtlingschaos, Rechtspopulismus und behördlichen Befriedungsmaßnahmen", schildert Christian Buß, "Tatort"-Kritiker von "Spiegel Online", den"Eins-a-Debattenstoff". Buß gibt dem Kölner Tatort acht von zehn möglichen Punkten – beileibe nicht alle Kritiker sehen die Folge so positiv.

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"Könnte sich so entwickeln"

Ausgesprochen sehenswert findet Leslie Brook auf "Rheinische Post Online" – mit einigem Regionalbezug – die Folge mit Dietmar Bär (als Freddy Schenk), Klaus J. Behrendt (als Max Ballauf): "Die Kölner "Tatort"-Ermittler knüpfen damit in gewissem Sinne auch an die Arbeit der echten Kölner Polizei nach der Silvesternacht an. Die Szenerie, die dort beschrieben wäre, könnte sich tatsächlich in Folge des immer stärker werdenden Angstgefühls vieler Bürger so entwickeln. Und gerade das macht den Fall so sehenswert und gleichzeitig so beklemmend. Denn dieses Szenario wird bis zum Ende mit allen Konsequenzen ausgemalt – und die sind wirklich erschreckend."

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"Brillantes Ensemble gegen Konsensvorgaben"

Die "Stuttgarter Nachrichten" in Gestalt von Michael Setzer finden: "Ein brillantes Ensemble behauptet sich wacker gegenüber Konsensvorgaben."

Der "Tatort"-Kritiker der "Zeit", Matthias Dell, vergibt acht Schlafmützen für die Folge. Null davon meint "Super!", zehn bedeuten: schon um halb neun eingeschlafen.

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"Zu viele Vorurteile, zu konstruiert"

Astrid Ebenführer zeigt sich auf derStandard.at enttäuscht von "Die Wacht am Rhein": "Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sind hilflos. Zu viele Vorurteile werden in diesem 'Tatort' wiedergekäut, zu konstruiert wirken die handelnden Personen. Allen voran der Führer der Bürgerwacht, der es geschickt versteht, die aufgeheizte Stimmung für sich zu nutzen. Übrig bleiben am Ende viele Opfer und wenige Täter. Und der Blick in die Zukunft ist ein düsterer." (red, 15.1.2017)

Wie sehen Sie den aktuellen "Tatort" aus Köln? Diskutieren Sie mit in unserem "Tatort"-Forum:

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