Steirischer Arzt wegen jahrelangen Quälens vor Gericht

13. Jänner 2017, 17:20
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Mediziner, der weiterhin praktiziert, soll seinen Kindern mit Selbstverletzungen und Suizid gedroht und ihnen Drogen gegeben haben. Gutachter soll klären, ob er zurechnungsfähig ist

Graz – Ein 54-jähriger steirischer Arzt muss sich seit Freitag am Straflandesgericht in Graz wegen schwerer Vorwürfe seiner eigenen vier Kinder verantworten. Etwa Quälen Minderjähriger, unerlaubter Umgang mit Suchtgift und Vergehen nach dem Waffengesetz. Durch ständige Suiziddrohungen und das Hantieren mit Waffen soll der Vater schwere psychische und körperliche Schäden bei den Kindern verursacht haben.

"Spüre die Macht"

Dass er die Kinder geschlagen habe, streitet der Arzt ab. "Das war beim Star-Wars-Spielen", sagt er. Er habe den Kopf des Sohnes in beide Hände genommen und gesagt: "Spüre die Macht."

Eine Tochter soll er tablettenabhängig gemacht, ihr schwere Beruhigungsmittel gespritzt und ihr eine Behandlung verweigert haben, als sie an Borreliose erkrankte. Einmal habe er sich einen Schraubenzieher in den Bauch gerammt und die Tochter musste ihn herausziehen. Er erklärt das so: "Ich bin nach Hause gekommen und die Frau war nicht da."

Als ein Sohn zehn war, musste er dem Vater Spritzen geben, als dieser nach einem Unfall im Bett lag. Das habe den Buben nicht belastet, so der Arzt, er "war ja auch bei Notfällen dabei, wo das Blut gespritzt hat". Auch, dass er den Kindern früh Zigaretten gab, streitet er nicht ab. Er habe eine US-Studie gelesen, wonach das "im Alter von drei bis vier negativ im Gehirn gespeichert wird und sie dann nie rauchen", meint er.

Eine Tochter versuchte, sich das Leben zu nehmen. Die Schilderungen von Staatsanwalt Christian Kroschl und der Anwältin der Kinder, die heute zwischen 18 und 28 Jahren alt sind, klingen wie ein Psychothriller. Sie hätten noch immer panische Angst vor dem Vater, der weiterhin als Arzt praktiziert. Seine Anwältin sieht das anders: Eine "hochexplosive Mischung" habe zu den Anschuldigungen geführt. Ex-Gattin und Ex-Freundin seien "krankhaft eifersüchtig" und "der liebe Herr Doktor die Melkkuh der Familie".

Geldsorgen und ein Ferrari Enzo

Ihr Mandant gibt indes selbst an, als praktischer Arzt und Sportmediziner 23.000 Euro netto im Monat zu verdienen und Beteiligungen in Millionenhöhe zu haben. Schuldig bekennt er sich nur in Sachen Waffengesetz.

Er habe den ganzen Tag gearbeitet und musste für seine Kinder kochen. Die Frau, selbst Ärztin, habe auf zu großem Fuß gelebt. "Ich hab nicht mehr gewusst, wo ich das Geld hernehmen soll", sagt er. Was der Staatsanwalt ihm nicht recht glauben will, habe er doch in dieser Zeit zwei Autos im Wert von 300.000 Euro gekauft, darunter einen Ferrari Enzo. Die habe er gewinnbringend weiterverkaufen wollen, beteuert der Arzt. Unter Druck stehend habe er sich immer wieder selbst Verletzungen zugefügt, gibt er zu. Auch Beruhigungsmittel habe er geschluckt und versucht, sich umzubringen. 15 Jahre Psychotherapie hätten ihm nicht geholfen.

Warum er sich nicht scheiden ließ, wenn er seine Ehe nur mit Selbstverletzungen und Medikamenten ertrug, fragt Richter Andreas Rom. "Scheidung war für mich tabu", sagt der regelmäßige Kirchgänger, er sei "erzkonservativ". Wie das mit vier Liebesbeziehungen zusammenpasse, will da die Anwältin der Kinder wissen.

Politische Interventionen

"Das interessiert uns hier nicht, und wenn er einen Harem hat", unterbricht sie Rom, den "nur das strafrechtlich Relevante" interessiere. Am Ende ordnet Rom ein Gutachten an und vertagt. Ein Psychiater soll feststellen, ob der Mann zurechnungsfähig war.

Wie der "Kurier" am Freitag berichtete, ersuchte der prominente Gutachter Manfred Walzl schon im Vorfeld die Staatsanwaltschaft, ihn von dem Fall zu entbinden, da es Interventionsversuche von Kollegen und aus der Politik gegeben haben soll. Das ist insofern brisant, als der Angeklagte Bruder eines Politikers ist. (Colette M. Schmidt, 13.1.2017)

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