Chinaphones: Billige Handys mit Dualkamera auf dem Vormarsch

13. Februar 2017, 09:18
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Xiaomi, Elephone, Umi und Co: Kaum ein bekannterer Hersteller ist noch nicht auf den Zug aufgesprungen

Vor wenigen Jahren war es ein seltenes Experiment. Als HTC etwa 2014 das One M8 mit zwei Kameras bestückt hat, war es mit diesem Feature praktisch einzigartig. Ein Jahr später hatte der Nachfolger wieder ein einzelnes Kameramodul, dafür versuchte sich Huawei mit dem Honor 6 Plus an einem "Zweiauge".

Es dauerte bis 2016, ehe die Implementation von zwei Aufnahmemodulen größere Relevanz erreichen sollte. Bei Huawei stecken nun auch im P9 und Mate 9 zwei Aufnahmemodule, LG hat das G5 ebenfalls aufgerüstet. Das deutlichste Indiz für einen Trend setzte allerdings Apple mit dem iPhone 7 Plus.

Auf der CES in Las Vegas setzte sich die Entwicklung nahtlos fort, wie etwa Geräte wie das Zenfone 3 Zoom von Asus zeigt. Zudem breitet sich das Feature von der Highend- in die Mittelklasse aus, denn auch das Honor 6x und das ZTE V8 sind mit zwei Fotochips bestückt.

foto: xiaomi
Xiaomi Mi 5s Plus

Xiaomi und Vivo legen vor

Auch in Europa nicht tätige und weniger bekannte chinesische Hersteller von Android-Handys springen nun auf den Zug auf. Und sie tragen die Dualkamera-Fackel weiter bis in den Budgetbereich.

So hat etwa Xiaomi eine aufgewertete Version seines letzten Flaggschiffs unter dem Namen Mi 5S Plus (Importpreis rund 350 Euro) veröffentlicht, das mit zwei Kameramodulen daherkommt. Ersten Gerüchten zufolge soll auch das Mi6 derartiges Equipment bekommen. Vivo, eine weitere der bekannteren Lokalmatadoren, hat sein Xplay 6 im Spätherbst neu aufgelegt, ebenfalls mit zwei Cams. Preislich ist das Handy mit rund 600 Euro allerdings nicht gerade ein Schnäppchen. Deutlich günstiger liegt das Gionee S9 mit rund 340 Euro, das ebenfalls im November vorgestellt wurde, aber offenbar noch nicht verfügbar ist.

Dualcam-Geräte für 100 Euro

Das Doogee Shoot 1 wiederum ist bereits für 130 Euro zu haben und bringt ein Dualkamera-System mit zwei Samsung-Chips mit, das laut ersten Tests für diese Preisklasse sehr brauchbare Ergebnisse liefert. Für rund 100 Euro zu bekommen ist das Oukitel U20 Plus, bei dem der schon etwas ältere Sony IMX135-Sensor in Kombination mit einer als Assistenz fungierenden 0,3-Megapixel-Kamera genutzt wird. Hier fallen die Rezensionen ob der Fotoqualität allerdings wenig euphorisch aus.

Die 100-Euro-Klasse visiert auch Bluboo mit dem Modell "Dual" an. Ein weiteres Gerät, das "Edge Pro", wird auch zwei Kameras mitbringen. Mit kolportierten Preisen von 140 bzw. 200 Euro gehen das Gemini und Gemini Pro von Ulefone stärker Richtung Mittelklasse.

Das im Dezember angekündigte Umi Z Pro klopft spezifikationstechnisch mit einem Mediatek Helio X27-Chip und vier GB RAM sogar am Highend-Segment an und wird für etwa 320 Euro zu haben sein. Und das bei der hohen Modellfrequenz von Elephone bald auch ein Dualcam-Smartphone dabei ist, steht in Form des in den nächsten Wochen erwarteten Elephone C1 Max ebenfalls schon fest.

Doogee Shoot 1

Weitere Vorstellungen erwartet

Die Liste ist nicht vollständig und neben tatsächlich schon verfügbaren oder angekündigten Produkten gibt es auch schon so manche Leaks und Spekulationen. So soll LeEco an einem Handy mit zwei Kameras im 150-Euro-Segment werken und Meizu mit dem "X" auch bald den Trend übernehmen. Last, but not least, könnte auch das allgemein für den Sommer erwartete OnePlus 4 als erstes Gerät der Reihe auch zwei Fotografiemodule mitbringen.

Keine Garantie für schöne Fotos

Klar ist allerdings: Auch ein Dualkamera-System ist kein Garant für tolle Fotos. Denn neben Kamerasensoren unterschiedlicher Qualität kommen auch unterschiedliche Konzepte zum Einsatz. Unterteilen lassen sie sich grob in zwei Systeme. Im ersten Fall werden zwei idente Chips verbaut, deren beiden Bilder zwecks softwaregestützter Rauschfilterung und anderer Verbesserungen abgeglichen werden. Im zweiten Fall ergänzt in der Regel ein niedriger aufgelösteres, spezialisiertes Modul einen Hauptsensor. Hier geht es oft um Tiefenerkennung, etwa zur Erzeugung eines künstlichen Bokeh-Effektes und ähnlicher mehr oder weniger nützlicher Zusatzfunktionen beim Fotografieren.

Je nach Implementation kann dies beachtliche Ergebnisse erbringen, oder aber ohne sichtbare Folgen bleiben. Sind die verantwortlichen Softwarealgorithmen für die Bildoptimierung nicht ausgereift, hilft auch eine zweite Kamera nicht. Und nutzt man einen billigen Sensor, der generell dazu neigt, verwaschene Farben zu produzieren oder Details zu schlucken, entstehen auch bei ordentlicher Programmierung keine schönen Aufnahmen.

Bluboo Dual

Vorsicht vor Dualcam-Fakes

Wer sich für die Anschaffung eines Chinaphones interessiert, sollte jedenfalls die Augen offen halten und Testberichte der verschiedenen Geräte lesen bzw. abwarten. Bei völlig unbekannten Herstellern oder gar Klonen von bekannten Markengeräten wie dem iPhone 7 Plus ist zudem Vorsicht geboten. Hier kann es durchaus passieren, dass das Smartphone von außen den Eindruck erweckt, über ein Dualkamera-System zu verfügen, obwohl tatsächlich nur ein Sensor im Gerät steckt. (Georg Pichler, 13.02.2017)

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