Pröll, der Stifter: Alles nur Dirty Campaigning!

14. Jänner 2017, 16:00
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Es war Sobotka, der sich mit der Überweisung der 1,2 Millionen Euro jene Sporen verdiente, die ihn in die Regierung trugen

Es bleibt dabei – Heimat bist du großer Söhne. Keine siebenhundert Jahre nach Rudolf dem Stifter ist Österreich nun Erwin Pröll der Privatstifter erstanden. Zeit war's. Man kann dem "Falter" gar nicht genug danken, die Biografie des Autokraten von St. Pölten um diesen edlen Charakterzug bereichert zu haben, aber den Vorwurf nicht ersparen, damit nicht schon herausgekommen zu sein, als er als Präsidentschaftskandidat der Volkspartei im Gespräch war. Mit diesem Hintergrundwissen hätten jene, die ihn zur Kandidatur drängten, niemals lockergelassen.

Zwar kann sich Pröll I. als Stifter nicht ganz mit Rudolf V. messen, schließlich ist eine Mikl-Leitner keine Margarete Maultasch, aber die Art, wie sich der eine Tirol und der andere 150.000 Euro an anonymen Spenden unter den Nagel gerissen hat, lässt beide groß erscheinen. Dabei würde man die Tatsache, dass die von Pröll dominierte niederösterreichische Landesregierung einstimmig – wie sonst? – 1,2 Millionen Euro Steuergelder an die von Pröll dominierte Privatstiftung überwiesen hat, noch als niederösterreichischer Folklore zuzurechnenden Vorgang verbuchen. Doch als brave Landeskinder ihm zum Sechziger etwas schenken wollten, und weil sie nicht wussten, wie viele Flaschen Wein welcher Fechsung und wie viele Trachtenjanker er schon sein Eigen nannte, auf schnödes Bargeld auswichen, geruhte der Landeshauptmann huldvoll, diese 150.000 Euro einmal einzustecken, was ein Vorgang war, der dem unaufgeklärten Absolutismus in der niederösterreichischen Volkspartei umso weniger anrüchig erscheinen musste, als er im Beschenkten den Stifter weckte. Doch jetzt hat alles seine Ordnung. Das Geld gehört Pröll, und er kann damit machen, was er will.

Dirty Campaigning gegen Kurz

Es war Wolfgang Sobotka, der sich mit der Überweisung der 1,2 Millionen Euro jene Sporen verdiente, die ihn letztlich auf Prölls Befehl in die Bundesregierung trugen. Dort fällt er als Polizeiminister durch bizarre Aktionen auf, so besonders am Mittwoch, als er es mit Drohung Sobotka an die SPÖ: "Lasst Kurz in Ruhe oder Neuwahlen" in die Schlagzeile des "Kurier" schaffte. Seine letzte Idee war die elektronische Fußfessel nicht für Strafgefangene, sondern schon für "Gefährder". Was den Büttel in ihm geweckt haben dürfte war der Verdacht, die SPÖ betreibe Dirty Campaigning gegen Sebastian Kurz. Dazu Sobotka in "Österreich": "Ich kenne das alles als gelernter Niederösterreicher. Ich bin dort lange genug gewesen, um zu wissen, wie man so ein Dirty Campaigning anlegt." Vielleicht sollte er sich gleich selber eine Fußfessel anlegen, schon wegen der Vorbildwirkung.

Kurz ist angeblich die Hoffnung, tatsächlich eher das Sorgenkind der Volkspartei. Soll er oder soll er nicht? Um sich seine Zukunft als ÖVP-Obmann ausmalen zu können, braucht er nur das Schicksal der letzten vier davon Revue passieren zu lassen. Das ist keine Spazierfahrt im Geilomobil. Kein Wunder, dass er da – "Kurier" - eine "unführbare ÖVP" nicht führen will. Die will aber partout von ihm geführt werden, und wenn jetzt auch noch die SPÖ Kurz weich schießen will, wie Sobotka mit seiner Erfahrung in Dirty Campaigning als gelernter Niederösterreicher behauptet, dann wird Kurz die ÖVP womöglich nie übernehmen oder erst weich geschossen, was ja nicht Sinn der Sache sein kann. Weichgeschossene gibt es dort mehr als genug.

"Dampfplauderer"

Besonders schlimm dann, wenn auch der mögliche Koalitionspartner mit Kurz nicht einverstanden ist. Strache attackiert Kurz als "Dampfplauderer", meldete "Österreich", FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache tobt. Die ÖVP würde lediglich seine Ideen kopieren. Das muss ihm der Campaigner aus der SPÖ gesteckt haben, der FP-Chef würde auf so etwas nie von selber kommen. Nur darauf: Strache behauptet, Kurz verhalte sich wie ein Hütchenspieler, er würde die Forderungen der FPÖ immer "zuerst bekämpfen, dann aber kopieren und als seine eigenen ausgeben", versuche also, die Österreicher "für dumm zu verkaufen".

So wird das nie etwas mit einem ÖVP-Obmann Kurz. Ge-gen einen Hütchenspieler müsste Sobotka ja mit einer Fußfessel vorgehen. Und um Dirty Campaigning entgegenzuwirken, durfte ein Sprecher Prölls im "Kurier" auf die Frage, warum dieser überhaupt eine Stiftung brauche, glasklar darlegen: Die Stiftung sei vor neun Jahren korrekt gegründet worden und habe einen Zweck: eine Akademie für den ländlichen Raum. Und das dauert seine Zeit. (Günter Traxler, 14.1.2017)

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