Trump: Die Mutter aller Verschwörungstheorien

Kolumne15. Jänner 2017, 11:08
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Unerklärlicherweise sieht Trump nach wie vor Putin als seinen "special buddy" an

Kennen Sie den sexualpathologischen Fachbegriff "Golden Shower"? Die "Goldene Dusche" kommt in dem 35-seitigen Bericht vor, in dem Donald Trump u. a. bezichtigt wird, im Jahr 2013 im Moskauer Luxushotel Ritz-Carlton allerlei Schweinereien mit russischen Prostituierten getrieben zu haben. In der Präsidentensuite. Auf einem Bett, in dem 2009 Michelle und Barack Obama geschlafen haben. Der russische Geheimdienst habe mitgefilmt.

Weit sind wir gekommen – das ist wohl die erste Reaktion jedes vernünftigen Zeitgenossen auf dieses Zeug. Allerdings – unabhängig davon, ob das alles wahr ist, bleibt eine sehr, sehr ernste Frage: Was ist das wirkliche Verhältnis zwischen dem nächsten Präsidenten der USA und der aggressiven Weltmacht Russland unter dem früheren KGB-Offizier Wladimir Putin?

Wir haben es hier mit der Mutter aller Verschwörungstheorien zu tun. Ist der nächste Präsident der einzigen Supermacht in der Hand des Autokraten Putin, der der Sowjetunion nachtrauert und Russland "wieder groß" machen will? Oder ist Trump "nur" ein gefährlicher Narr und Naivling?

Das Trump-Dossier ist per se unbeweisbar. Aber ein sehr reales unbestrittenes Faktum bleibt, dass Trump nach wie vor unerklärlicherweise Putin als seinen "special buddy" ansieht (während er etwa Antieuropäer wie Nigel Farage und Marine Le Pen empfängt). Einen Putin, dessen Ziel es ganz gewiss nicht ist, "to make America great again".

Der Reihe nach: Noch bevor Trump offizieller Kandidat der Republikaner war, ließ ein reicher Spender der Partei von einem früheren hohen britischen Geheimdienstler mit guten Kontakten in Russland ein Dossier über Trumps Verhältnis zu Russland zusammenstellen. Es zirkulierte in politischen Kreisen Washingtons und gelangte zum republikanischen Senator John McCain, der es schließlich wegen seiner ernsten Natur den US-Geheimdiensten übergab. Diese hielten den Inhalt zwar in den schmierigen Details für unbeweisbar, aber doch für so ernst, dass sie vor kurzem Barack Obama und Trump selbst mit dem Bericht konfrontierten.

Die Hauptaussage des Berichts kann nämlich nicht so leicht abgetan werden: dass nämlich die Russen (Putin selbst) Trump seit Jahren kultivieren und unterstützen. Zuletzt mit dem Hacking von E-Mails aus Hillary Clintons Wahlkampf, die über Wikileaks an die Öffentlichkeit kamen. Und es soll Kontakte zwischen russischen Agenten und Trumps Wahlkampfteam gegeben haben.

Trump hat diesen unbestreitbaren Eingriff in den US-Wahlkampf lange abgestritten und bagatellisiert, bis er in seiner denkwürdigen Pressekonferenz so nebenbei sagt: "I think the Russians did it."

Trotzdem sagte Trump dort aber: "Wenn Putin Donald Trump mag, folks, na und? Das nennt man einen Aktiv- und keinen Passivposten."

Das ist einfach infantil angesichts von Putins Strategie, die auf eine Spaltung der westlichen Allianz und eine Rückkehr zur russischen Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts hinausläuft. Da braucht es gar keine Sexvideos. (Hans Rauscher, 13.1.2017)

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