"Herz der Finsternis": Das Grauen, großartig

17. Jänner 2017, 10:34
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Walter Adler hat Orson Welles' Drehbuch zu einem glänzend klangillusionistischen Hörspiel umgearbeitet

1939. Im Vorjahr erschreckte Orson Welles, damals 23 Jahre alt, Amerika mit einem Alien-Radiospiel zu Tode. Jetzt buhlt Hollywood um den Theatermacher. Sein erstes Filmskript für RKO ist unerhört, ungeheuer ambitioniert, eine suggestive Adaption von Joseph Conrads düsterer Angstprosa Herz der Finsternis, und zwar mit sich, Welles, in beiden Hauptrollen!

Als Captain Marlow, der aufrechte Amerikaner, und als Kurtz, der Handelsstützpunktleiter, der in Fanatismus, Wahnsinn, Gewalt abgleitet. Das Studio sagte Nein; zwei Jahre später debütierte Welles mit Citizen Kane.

Jetzt hat Walter Adler das Drehbuch (das Coppolas Apocalypse Now erstaunlich vorwegnimmt) zum glänzend klangillusionistischen Hörspiel umgearbeitet, inklusive Regie-, Licht- und Kameraanweisungen, so dass tatsächlich ein Hörfilm entsteht. Hochspannend ist dies; und zugleich eine präzise Parabel auf den Faschismus. Dass man gebannt bis zum Ende lauscht, liegt auch an der exquisiten Sprecherriege, von Ulrich Matthes und Sylvester Groth über Sandra Hüller bis zu Ingo Hülsmann. (Alexander Kluy, Album, 14.1.2017)

  • Orson Welles, "Herz der Finsternis. Nach Joseph Conrad."  € 16,99 / 151 min. Deutscher Audio-Verlag, Berlin 2016
    cover: deutscher audio-verlag

    Orson Welles, "Herz der Finsternis. Nach Joseph Conrad." € 16,99 / 151 min. Deutscher Audio-Verlag, Berlin 2016

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