Statistiker sieht keinen Lehrermangel in naher Zukunft

15. Jänner 2017, 09:00
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Erich Neuwirth rechnet mit weniger Frühpensionen und mehr Absolventen

Wien – Nicht nur das Bildungsministerium, auch der Statistiker Erich Neuwirth geht davon aus, dass es nicht allzu bald zu einem Lehrermangel kommen wird. Zwar stehen viele Pensionierungen an, aber auch die Zahl der Absolventen und Absolventinnen des Lehramtsstudium steigt. "Es gibt viele Faktoren, deshalb ist eine Prognose schwer, aber es sieht nicht schlecht aus", sagt Neuwirth zum STANDARD.

Zu diesem Schluss kommt der ehemalige Professor der Uni Wien aufgrund von Zahlen der Statistik Austria. Demnach haben im Studienjahr 2014/15 an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten insgesamt 6.200 Studierende ihr Lehramtsstudium abgeschlossen. Die Zahl der Absolventen steigt seit dem Studienjahr 2007/08 kontinuierlich. Gleichzeitig lag im Schuljahr 2015/16 die Zahl der Lehrer und Lehrerinnen zwischen 50 und 65 Jahren pro Jahrgang bei rund 4.000. "Es kann sich also ausgehen", sagt Neuwirth. Dazu komme, dass Frühpensionierungen von Lehrern seit 2013 nicht mehr möglich sind. "Die Lehrer werden also auch länger im Job bleiben." Natürlich sei aber diese Zahl nur eine generelle Summe, und es könne trotzdem zu Lehrermangel in einzelnen Fächern kommen.

Warnung für Pensionierungswelle

Die erneute Diskussion über einen Lehrermangel hatte der grüne Abgeordnete Harald Walser angefacht, der warnte, dass in den nächsten Jahren 10.000 Lehrer fehlen würden. Neben einer Pensionierungswelle könnte ein Engpass auch dadurch enstehen, dass es im Jahr 2017/18 keine Lehramtsabsolventen geben wird, weil die Ausbildung verlängert wurde.

Das Bildungsministerium erwartet trotzdem keine Engpässe beim Personal. Auf der Warteliste für eine Stelle stünden zudem knapp 4.000 Junglehrer, sie sollen die Lücke füllen. Neuwirth macht allerdings darauf aufmerksam, dass Lehrer auf der Warteliste nicht unbedingt jene sein müssen, die gebraucht werden.

Generell rechnet das Bildungsministerium mit 34.000 Lehrern, die bis 2025 in Pension gehen werden. Man sei darauf aber vorbereitet und gehe von genügend neuen Absolventen aus, die nachrücken. Etwas angespannter sieht der Wiener Stadtschulrat die Situation. Im Wiener Pflichtschulbereich werden in den nächsten zehn Jahren 5.000 Lehrer in Pension gehen. Davon werden aber nur 3.000 durch Neuanstellungen ersetzt werden können. Eine Arbeitsgruppe soll das Problem lösen. (koli, 15.1.2016)

  • Das Bildungsministerium erwartet keine Engpässe bei der Besetzung von Lehrerposten.
    foto: dpa/daniel karmann

    Das Bildungsministerium erwartet keine Engpässe bei der Besetzung von Lehrerposten.

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