Der Agent, der Trump in Bedrängnis bringt

13. Jänner 2017, 17:17
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Der frühere MI6-Agent Christopher Steele soll jenes Dossier verfasst haben, das dem künftigen US-Präsidenten Schwierigkeiten macht. Jetzt ist er untergetaucht

"Ich werde für ein paar Tage nicht da sein", sagte Christopher Steele, drückte seine Katze einem Nachbarn in die Hand und verschwand. Der abgetauchte Brite soll der Verfasser jenes 35-seitigen Dossiers sein, dem zufolge Russland im Besitz von Informationen ist, die den künftigen US-Präsident Donald Trump erpressbar machen könnten. Trump nennt dieses Dossier eine Falschmeldung. Und tatsächlich: Die in dem Papier aufgestellten Behauptungen sind nicht zu beweisen und nicht zu wiederlegen. Ähnlich verhält es sich mit Informationen über Christopher Steele selbst.

Hätte, wäre, sollte, könnte – ein Lebenslauf voller Konjunktive. Steele soll in den 1990er-Jahren als Spion für den britischen Geheimdienst MI6 in Moskau und Paris gearbeitet haben. 2003 sei er ins britische Außenministerium gewechselt. Wie lang er an den jeweiligen Standorten im Einsatz war, ist unbekannt. 2009 dann wird die Biografie etwas konkreter: Steele gründete gemeinsam mit Christopher Burrows, ebenfalls ein früherer MI6-Mann, die Obris Business Intelligence. Das in London ansässige Unternehmen bietet Ermittlungen aller Art an. Es verfüge ein globales Netzwerk mit großen Recherchemöglichkeiten, ist auf der Website zu lesen.

Recherche zur Fifa

Als erstes Medium berichtete das "Wall Street Journal" über die Identität des Dossierverfassers. Diese Veröffentlichung soll Steele dazu veranlasst haben, unterzutauchen. Die aktuelle Debatte ist womöglich nicht sein erster Kontakt mit US-Geheimdiensten. Bereits vor zehn Jahren soll das FBI auf ihn aufmerksam geworden sein. Damals habe der britische Fußballverband Steele beauftragt, über Korruption bei der Vergabe der Weltmeisterschaft an Russland 2018 zu recherchieren, schreibt der "Daily Telegraph". Steeles Erkenntnisse sollen in der Folge zur Festnahme hochrangiger Fifa-Funktionäre und deren Auslieferung an die US-Justiz beigetragen haben.

Diesmal seien innerparteiliche Gegner des Republikaners Trump an Steele herangetreten. Ihr Anliegen: herauszufinden, ob es Material gibt, das Trump schaden könne. Der angeblich 52-jährige Steele aktivierte sein Netzwerk und verfasste jene 35-Seiten, die Trump schwer belasten – aber nicht belegbar sind. Als Trump als Präsidentschaftskandidat feststand, sollen die US-Demokraten als Auftraggeber eingesprungen sein. Wer genau die Auftraggeber waren, ist – wie so vieles – unbekannt. (mka, 13.1.2017)

  • In diesem Haus in Wokingham im Südwesten Londons soll Christopher Steele gewohnt haben. Seine Katze ist angeblich beim Nachbarn.
    foto: reuters/peter nicholls

    In diesem Haus in Wokingham im Südwesten Londons soll Christopher Steele gewohnt haben. Seine Katze ist angeblich beim Nachbarn.

  • Das Haus, in dem Steeles Orbis Business Intelligence ihren Sitz hat.
    foto: reuters/stefan wermuth

    Das Haus, in dem Steeles Orbis Business Intelligence ihren Sitz hat.

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