Rezepte gegen "Killerphrasen"

    19. Jänner 2017, 11:00
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    Phrasen wie "Typisch Sie" können außer Gefecht setzen – müssen aber nicht. Sprechtrainerin Tatjana Lackner weiß, wie man sich wehrt

    Ebenso wie in der Diskussion mit Familie und Freunden setzen einen auch im Job manche Sätze schlichtweg verbal außer Gefecht. "Killerphrasen" nennt sie Kommunikations- und Rhetoriktrainerin Tatjana Lackner. "Sie zielen stets auf die Person und nicht auf die Sache. Der Status des Gegenübers soll ohne konkrete Argumente geschwächt werden." Killerphrasen würden neue Ideen ersticken und das Gesprächsklima zerstören. Die mögliche Folge, "wenn sie coram publico sprachlos machen": ein Imageschaden.

    Beispiele für Killerphrasen sind:

    "Das hat sich doch bewährt, warum sollten wir etwas ändern?"

    "Da fehlt Ihnen wohl die Erfahrung."

    "Seien Sie doch nicht so empfindlich!"

    "Das funktioniert auch nur in eurer Abteilung nicht."

    "Dafür fehlt uns jetzt die Zeit!"

    "Das geht uns nichts an."

    Killerphrasen erkenne man beispielsweise an Pauschalisierungen ("Typisch Sie", "Nie kommen Sie pünktlich"), aber auch an bestimmten Signalworten: "inkompetent", "talentfrei", "übersensibel". Sie würden oft alte Konflikte zum Vorschein bringen. Viele Killerphrasen entstünden aus dem Moment, es gebe aber auch vorbereitete Killerphrasen.

    Wie man sich wehrt

    Wie man sich gegen Killerphrasen wehren kann? Ganz falsch: sich zu rechtfertigen. Auch weiter Öl ins Feuer zu gießen sei die falsche Variante, sagt Trainerin Lackner. "Sympathie ist die Devise. Was hat man schließlich davon, wenn man vor der versammelten Kollegenschaft lustig und spontan den Chef demaskiert, dafür aber ab Montag auf dem Arbeitsamt alleine witzig sein kann?"

    Ziel sei es, durch die Killerphrasen dafür zu sorgen, dass es weder Gewinner noch Verlierer gibt. Lackner: "Der Gesichtsverlust des anderen ist nur kurzfristig ein Sieg für Sie. Seine Reaktion wird nicht lange auf sich warten lassen, und das Statusspiel beginnt von Neuem." Indem man kontert, zwinge man das Gegenüber, Stellung zu beziehen. Gelingen könne das mit folgenden Strategien:

    Gegenfragen finden

    Diese müssten so präzise formuliert sein, dass dem Gegenüber wenig Spielraum für die Beantwortung bleibt. Meist seien W-Fragen hilfreich (bestehend aus wie, warum, woher, was). Auf "Dafür fehlt uns jetzt die Zeit!" könne man beispielsweise antworten mit "Was muss passieren, damit Sie sich dafür Zeit nehmen?". Auf "Das geht uns nichts an" mit "Warum nicht?".

    • Kontern

    Eine weitere Strategie, wenn man mit einem untergriffigen Vorwurf konfrontiert wird, sei, nach dem Gegenteil zu fragen. Ein Beispiel: "Sie texten ja sehr plakativ." – "Wollen Sie einen Philosophen in Ihrer Abteilung?"

    • Selbstvorwürfe

    Möglich sei auch, mit einem Selbstangriff auf eine solche Verurteilung zu reagieren. Diese Technik eigne sich besonders für den Umgang mit Personen, die in der Hierarchie über einem stehen. Beispiel: "Sind Sie schwer von Begriff?" – "Wodurch haben Sie konkret den Eindruck?" (lib, 19.1.2017)

    • Wie man sich gegen Killerphrasen wehren kann? Ganz falsch: sich zu rechtfertigen. Auch weiter Öl ins Feuer zu gießen sei die falsche Variante, sagt Rhetoriktrainerin Tatjana Lackner.
      foto: istock

      Wie man sich gegen Killerphrasen wehren kann? Ganz falsch: sich zu rechtfertigen. Auch weiter Öl ins Feuer zu gießen sei die falsche Variante, sagt Rhetoriktrainerin Tatjana Lackner.

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