Hotelbranche investierte 2016 mehr denn je in Qualität

13. Jänner 2017, 13:10
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Die Förderbank ÖHT hat mit einem Gesamtvolumen von 663 Millionen Euro einen Rekordwert verzeichnet

Wien – Der wiedergekehrte Optimismus in der Tourismusbranche findet seinen Niederschlag nun auch wieder in vermehrten Investitionen. Von 2015 auf 2016 sind allein die durch Förderzusagen der ÖHT, einer Spezialbank für den Tourismus, ausgelösten Gesamtinvestitionen um mehr als 63 Prozent auf 662,7 Millionen Euro gestiegen. Das ist neuer Rekord. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) sprach am Freitag bei der Präsentation der Zahlen von einer "sensationellen Investitionstätigkeit", die, flankiert durch weitere Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen, heuer und in den nächsten Jahren ihre Fortsetzung finden soll.

Dafür wurden unter anderem die Mittel, die als Investitionszusatzprämie vergeben werden, im Tourismus auf 40 Millionen Euro verdoppelt. In den Genuss des Geldes kommen Klein- und Kleinstunternehmen, wenn deren getätigte Investition um zumindest 50.000 Euro (Investitionszuwachs) und bei mittleren Unternehmen um zumindest 100.000 Euro höher liegt als der Wert der durchschnittlichen aktivierten Anschaffungs- und Herstellungskosten der vergangenen drei Geschäftsjahre. Zugleich wird der Haftungsrahmen der ÖHT, über die die Tourismusförderungen abgewickelt werden, auf 500 Millionen Euro verdoppelt. Das dazu notwendige KMU-Fördergesetz soll "demnächst beschlossen" werden, sagte Mitterlehner.

Förderschwerpunkte 2017

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Förderaktionen soll die Betriebsgrößenoptimierung vor allem im Drei-Sterne-Segment sein, sagte ÖHT-Geschäftsführer Wolfgang Kleemann. Mit durchschnittlich 31 Zimmern sei es schwieriger, Drei-Sterne-Hotels wirtschaftlich zu führen, als Vier-Sterne-Hotels, die im Schnitt über 49 Zimmer verfügen. "Jedes zusätzliche Zimmer verursacht so gut wie keine zusätzlichen Fixkosten, bringt aber Erträge, wenn die Nachfrage passt", sagte Kleemann.

Ein zweiter Schwerpunkt seien Unterstützungen für Qualitätsverbesserungen. Gerade in Zeiten, wo die Aufenthaltsdauer dramatisch sinke, erwarte der Gast ein umso besseres Ambiente, sei aber auch bereit, dafür mehr zu zahlen. Einen weiteren Schwerpunkt bei den Förderungen bilde die Digitalisierung, laut Kleemann "eine noch immer unterschätzte Herausforderung, die keinen Stein auf dem anderen lassen wird".

Ganzjahresbetriebe

Gut 70 Prozent der Kreditanfragen seien im Vorjahr von Hoteliers mit einem Ganzjahresbetrieb eingelangt, sagte Kleemann. Vergeben hat die ÖHT insgesamt Kredite über 222 Millionen Euro, 44 Millionen davon waren mit Bundeshaftungen versehen. Die Eigenkapitalausstattung der Vier-Sterne-Betriebe liege im Schnitt bei 14 Prozent und damit um einiges über den vom Unternehmensreorganisationsgesetz empfohlenen acht Prozent. Schlechter sei die Situation noch bei den Drei-Sterne-Betrieben, die im Schnitt auf eine Eigenkapitalausstattung von sechs Prozent kämen.

Fachkräftemangel

Zum von der Branche beklagten Fachkräftemangel meinte Wirtschaftsminister Mitterlehner, dass neben der überregionalen Vermittlung von Fachkräften auch über Anreizsysteme versucht werden sollte, die Attraktivität der Branche zu erhöhen. Ein Ganzjahresangebot sei für den einzelnen Koch oder Kellner besser, als sich nach Ende der Saison neu orientieren zu müssen. Ein Lohnschutzgesetz, wie es Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) bei der Präsentation seines "Plans A" für Österreich ausgesprochen hat, sei nicht nur für den Tourismus ungeeignet. Arbeitnehmer aus EU-Ländern mit deutlich niedrigerem Lebensstandard wie Rumänen und Bulgaren vom österreichischen Arbeitsmarkt fernzuhalten sei EU-widrig. (Günther Strobl, 13.1.2017)

  • Hoteliers haben im Vorjahr nach einem Durchhänger 2015 wieder deutlich mehr in die Renovierung ihrer Häuser investiert. Dieser Trend sollte heuer anhalten.
    foto: istock

    Hoteliers haben im Vorjahr nach einem Durchhänger 2015 wieder deutlich mehr in die Renovierung ihrer Häuser investiert. Dieser Trend sollte heuer anhalten.

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