Kreditversicherer warnt Unternehmen vor hohem Türkei-Risiko

13. Jänner 2017, 10:06
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Coface befürchtet Forderungsausfälle – Keine Impulse vom Tourismus zu erwarten – Kapitalzuflüsse gesunken

Wien – Der Kreditversicherer Coface warnt Unternehmen vor der Risikosituation in der Türkei. Die zunehmende politische Unsicherheit und die geschwächte Türkische Lira seien die größten Negativfaktoren, die derzeit der Wirtschaft in der Türkei zusetzen. In der Länderbewertung ist die Türkei schon seit 2014 nur in "B" eingestuft und damit außerhalb der Top-Kategorien "A1" bis "A4".

Coface misst nicht die Staatsbonität, sondern das Risiko für Forderungsausfälle, das Unternehmen für Geschäfte mit Abnehmern in den jeweiligen Ländern haben.

Der internationale Kreditversicherer geht für die Türkei von einem Wirtschaftswachstum von nur 2,7 Prozent für 2017 aus.

Schwache Lira bremst Konsum

Nach Ansicht von Coface wird der türkische Staat mit einer offensiven Ausgabenpolitik für die verunsicherten Investoren und Unternehmen in die Bresche springen müssen. Grund dafür sei die schwache Landeswährung, die den wichtigsten Treiber der türkischen Wirtschaft, den privaten Konsum, bremse, so Coface in einer Pressemitteilung.

Der türkische Einzelhandel leide schon erkennbar unter der schwächelnden Inlandsnachfrage. Die negative Entwicklung werde verstärkt durch weitere Faktoren wie die Terroranschläge, Spannungen an der Grenze zu Syrien, steigende Kreditzinsen und anziehende Inflation. Auch das veranlasse Verbraucher, Ausgaben zu verschieben.

Geringe Verschuldung

Vom Tourismus, der wegen der Sicherheitsproblematik und des angespannten Verhältnisses zu einigen Nachbarländern eingebrochen sei, seien keine Impulse für eine Besserung zu erwarten. Die geringe öffentliche Verschuldung von nur 32,9 Prozent zum BIP, sei wesentlich durch die ursprüngliche Annäherung an die EU getrieben. Dies erlaubte es der Regierung, die Wirtschaftspolitik einzusetzen, um wirtschaftliche Einbrüche abzumildern. Um der nachlassenden Stimmung zu begegnen, habe die Regierung ein breites Investitionsprogramm angekündigt.

"Die weitere Entwicklung ist auch von den Kapitalzuflüssen aus dem Ausland abhängig", so Michael Tawrowsky, Country Manager Coface Austria. Diese sanken von Jänner bis September 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12 Prozent auf 26,9 Mrd. US-Dollar (25,2 Mrd. Euro). Dieser Rückgang habe mit zur Abwertung der Lira um 16 Prozent gegenüber dem Euro-Dollar-Währungskorb beigetragen. (APA, 13.1.2017)

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