EU fordert von Italien Antwort auf deutsche Vorwürfe gegen Fiat

13. Jänner 2017, 08:09
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US-Behörden beschuldigen Fiat Chrysler, illegale Software verwendet zu haben – Auch Briten verlangen Aufklärung

Amsterdam/Wolfsburg – Im Sog des VW-Dieselskandals gerät Fiat Chrysler auch in Europa unter wachsenden Druck. Die EU-Kommission forderte Italien am Donnerstag dazu auf, gegen den Autobauer gerichtete Vorwürfe des deutschen Verkehrsministeriums zu entkräften. Dem italienisch-amerikanischen Konzern wird vorgehalten, in Dieselmotoren eine illegale Software einzusetzen.

Nach Messungen des deutschen Kraftfahrtbundesamts (KBA) schaltet in bestimmten Fahrzeugen die Abgasreinigung jeweils nach 22 Minuten vollständig ab. Abgastests dauern in der Regel nur 20 Minuten. "Die deutschen Behörden haben ernsthafte Bedenken geäußert", sagte eine Kommissionssprecherin. "Wir haben die italienischen Behörden wiederholt aufgefordert, so bald wie möglich überzeugende Antworten zu geben." Aus Kommissionskreisen hieß es, die Brüsseler Behörde teile die Bedenken Deutschlands. Ein Test eines Fiat-Wagens in einem EU-eigenen Prüflabor habe verdächtige Emissionen gezeigt.

Schadstoffschummel

Die US-Umweltbehörden beschuldigen Fiat Chrysler, in Diesel-Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben, die eine Überschreitung des erlaubten Schadstoffausstoßes ermögliche. Das Management weist den Vorwurf eines Fehlverhaltens entschieden zurück. Das italienische Verkehrsministerium hatte im vergangenen Sommer erklärt, keine Abgas-Schummeleien bei Fiat Chrysler entdeckt zu haben. Nun teilte es mit, Autos mit der nun von den US-Behörden kritisierten Software seien in Italien nicht auf der Straße getestet und auch nicht verkauft worden.

Das KBA hatte Autos verschiedener Hersteller untersucht, nachdem Volkswagen Betrug bei Abgastests zugegeben hatte. Dabei fiel dem Amt die Software von Fiat Chrysler auf. Die deutsche Bundesregierung hat die EU-Kommission gebeten, im Streit mit Italien zu vermitteln. Die Gespräche sollen in den kommenden Wochen abgeschlossen werden. Die Kommission hat allerdings wenig Möglichkeiten, eine Einigung zu erzwingen. In der EU obliegen die Genehmigung neuer Automodelle sowie die Kontrolle der Hersteller den nationalen Aufsichtsbehörden.

Briten fordern Aufklärung

Die US-Vorwürfe gegen Fiat Chrysler über Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen haben auch die britischen Behörden auf den Plan gerufen. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums in London sagte am Freitag, man bemühe sich dringend um weitere Informationen durch die US-Umweltbehörde EPA. "Und wir werden auch von dem Hersteller Informationen anfordern mit Blick auf Fahrzeuge auf dem britischen Markt." (APA, 13.1.2017)

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