Vampire entdecken Menschenblut als Nahrungsquelle

12. Jänner 2017, 18:35
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Eine radikale Diätumstellung unter brasilianischen Kammzahn-Vampiren gibt Biologen Rätsel auf

Recife/Wien – Beim Gedanken an Vampirfledermäuse wollen keine angenehmen Gefühle aufkommen – dabei haben Menschen von den hochspezialisierten Nachtwesen nur selten etwas zu befürchten: Von den drei bekannten Vampirarten in Lateinamerika trinkt nur der Gemeine Vampir (Desmodus rotundus) Säugetierblut. Meist macht er sich an Schweine, Rinder und Pferde heran. Die beiden anderen Spezies, der Weißflügelvampir (Diaemus youngi) und der Kammzahnvampir (Diphylla ecaudata), beschränken sich gänzlich auf die Jagd nach Vögeln.

Das dachte man zumindest, bis Biologen feststellen mussten, dass im Nordosten Brasiliens menschliches Blut neuerdings immer häufiger auf dem Speisezettel des Kammzahnvampirs zu finden ist – etwas, das man bisher eigentlich für unmöglich hielt. Die brasilianischen Forscher um Enrico Bernard von der Universidade Federal de Pernambuco in Recife kamen der radikalen Ernährungsumstellung bei der Untersuchung von Fledermauskot auf die Spur.

Das Team analysierte insgesamt 70 im Catimbau-Nationalpark gesammelte Proben einer lokalen Kolonie. In 15 von ihnen fand sich DNA von menschlichen Blutzellen. "Darüber waren wir ziemlich überrascht", meint Bernard. "Denn eigentlich ist diese Spezies nicht für die Verdauung von Säugetierblut ausgerüstet."

Strenge Diät

Dass die Tiere von der einseitigen Vogelbluternährung leben können, ist einer extremen physiologischen Anpassung zu verdanken, denn das Blut von Säugetieren und Vögeln unterscheidet sich deutlich. Während Vogelblut viel Wasser und Fett enthält, ist Säugetierblut wesentlich proteinreicher, schreiben die Forscher im Fachjournal "Acta Chiropterologica". Ein plötzlicher Wechsel der Nahrungsquelle schien daher bisher ausgeschlossen.

Frühere Beobachtungen konnten die strenge Einhaltung dieser Diät bestätigen. So zeigte sich etwa, dass auf Vögel spezialisierte Vampire sogar lieber hungerten, als auf Schweine oder Ziegen auszuweichen. Wie die jetzige Umstellung trotzdem geschehen konnte, ist daher ein Rätsel.

Vom Huhn zum Menschen

Vieles scheint aber darauf hinzudeuten, dass sich der Mensch selbst zum Opfer der Vampirfledermäuse gemacht hat: Seit kurzem siedeln immer mehr Familien im Catimbau-Nationalpark. Außerdem werden die üblichen Beutevögel der Vampire durch Entwaldung und illegale Jagd allmählich selten. Wie die Kotproben belegen, haben die meisten Vampire bereits die Hühner der Farmen als leichte Opfer für sich entdeckt. Vom Hühnerstall ins Schlafzimmer ist es dann offensichtlich nicht mehr weit.

"Sie richten sich auf die veränderten Umstände ein und haben damit begonnen, die neuen Ressourcen zu nutzen", vermutet Bernard. Ob sich weitere Vampirkolonien dem neuen Nahrungstrend anschließen werden, müssen künftige Studien zeigen. Ungefährlich ist diese Entwicklung für die Menschen der Region jedenfalls nicht: Der Kammzahnvampir hat sich in der Vergangenheit als Überträger der gefährlichen Hantaviren erwiesen. (tberg, 12.1.2017)

  • Während sie früher nur Vögel angezapft haben, steht nun auch Menschenblut auf dem Speisezettel der Kammzahnvampire.
    foto: james h. robinson / picturedesk

    Während sie früher nur Vögel angezapft haben, steht nun auch Menschenblut auf dem Speisezettel der Kammzahnvampire.

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