Langzeitstudie enthüllt die Geräuschkulisse des Südpolarmeers

13. Jänner 2017, 16:57
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Unterwasseraufnahmen liefern Erkenntnisse zur natürlichen Schallkulisse des Ozeans sowie zu Verhalten und Vorkommen von Meeressäugern

Bremerhaven – Wirkliche Stille herrscht in den Ozeanen dieser Welt nie. Vor allem Wind und Wellen sorgen für ein kontinuierliches Hintergrundgeräusch, aber auch menschliche Aktivitäten sind vielerorts eine Geräusch- oder gar Lärmquelle. Die Antarktis bildet dabei eine Ausnahme, denn bislang ist sie aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage von menschlichen Aktivitäten noch weitgehend unbelastet.

Aus diesem Grund eignet sich kein zweiter Ozean für eine akustische Studie über Meeressäuger und die natürliche Geräuschkulisse unter Wasser wie das Südpolarmeer. Wissenschafter des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven haben diese Bedingungen nun genutzt und die besondere Unterwassergeräuschkulisse in der Antarktis drei Jahre lang aufgezeichnet. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie nun um Fachblatt "Royal Society Open Science".

Rückschlüsse aus Rhythmen

Die Forscher um Sebastian Menze haben unter anderem die Laute von Seeleoparden, Antarktischen Blauwalen, Finnwalen und Südlichen Zwergwalen identifiziert, die zu einer Art monotonem Hintergrundchor verschmelzen. Die Tierlaute variieren dabei zeitlich und lokal in der Zusammensetzung: dadurch liefern die Aufzeichnungen neue Erkenntnisse zu Verhalten und Vorkommen der Tiere.

Die Tonspur des Südlichen Zwergwals etwa folgt in den Wintermonaten von April bis Juli einem 24-Stunden-Rhythmus: Die Messungen ergaben, dass Zwergwale nachts mehr zur Geräuschkulisse beitragen als tagsüber. Das könnte mit ihrer Hauptbeute Krill zusammenhängen, die in einem identischen Tag-Nacht-Rhythmus vertikal wandert.

Isolierendes Eis

Zudem haben die Forscher Daten zum jahreszeitlichen Zyklus der Tiere gesammelt. So trugen Antarktische Blauwale das ganze Jahr zur Geräuschkulisse bei, Finnwale und Südliche Zwergwale jedoch nur für ein paar Monate. Und auch dafür, wie groß der Einfluss des Meereises auf die Geräuschkulisse im Südpolarmeer ist, fanden sich Anhaltspunkte: Es legt sich in den Wintermonaten wie ein schallisolierender Teppich über den Ozean.

"In der Antarktis wird es unter der Eisdecke beeindruckend leise. Dann prägen nicht mehr hauptsächlich physikalische Phänomene wie Stürme und Wellen die Schallkulisse, sondern auch die Tierwelt", so Menze. Die Aufnahmen würden zeigen, dass dabei nicht nur die Fläche des Meereises eine Rolle spielt, sondern auch dessen Konzentration und Beschaffenheit. (red, 13.1.2017)

  • Zwergwale sind nachts lauter als tagsüber.
    foto: awi/m. hoppmann

    Zwergwale sind nachts lauter als tagsüber.

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