"Why Him?": Hahnenkampf am Hightech-Klo

13. Jänner 2017, 09:00
35 Postings

Die US-Komödie hält, was sie verspricht. Leider. Dabei hätte die Grundüberlegung der Geschichte mehr hergegeben als Gags auf Hüftniveau

Wien – Er ist das Highlight jeder Hausführung: ein in seinem eigenen Urin konservierter Elch, der im Wohnsalon von Laird Mayhew vor sich hin schrumpelt. Man mag in ihm einen weniger nervösen Verwandten des Hirschs sehen, der Adam Sandler in Kindsköpfe 2 einst eine goldene Munddusche verpasste. Wie jene Komödie gehört auch der Elchpräparatsfilm Why Him? zu den Produktionen, bei denen Figuren und Handlung lediglich eine Aneinanderreihung derberer Gags unterstützen sollen. Wenn das Glas des eigenwilligen Dekorationsobjekts schließlich wenig überraschend bricht und Hirschharn das Zimmer flutet, ist dies ein Sinnbild für den ganzen Film: mit wenig Leben erfüllte Gestalten in einem fragilen Rahmen und dazwischen viel Lulu.

vipmagazin

Dabei mag der Anspruch in einer frühen Entwicklungsphase vielleicht noch ein anderer gewesen sein. Why Him? erzählt, wie der beruflich gebeutelte Ned Fleming (Bryan Cranston) mit Frau und Sohn erstmals auf den Freund seiner Tochter Stephanie trifft. Der Weihnachtsausflug vom verschneiten Michigan ins sonnige Kalifornien gerät dabei nicht nur klimatisch zum Trip in eine andere Welt, handelt es sich bei Stephanies Auserwählten doch um den leicht manischen Internetmillionär Laird (James Franco). Die geschmacklose Kunst in dessen, huch, papierloser Villa würde der Druckereibesitzer Ned vielleicht noch durchgehen lassen, deutlich mehr irritiert ihn die verbal wie körperlich völlig distanzlose Art Lairds. Als ihn dieser schließlich um die Hand seiner Tochter bittet, kommt es für Ned einer Kriegserklärung gleich.

Erzwungenes Happy End

Regisseur John Hamburg ist als Drehbuchautor von Filmen wie Zoolander oder Meine Braut, ihr Vater und ich ein Spezialist für derartige Hahnenkämpfe. Dementsprechend liegt der Fokus ganz auf dem Duell der Männer, während die Frauen die meiste Zeit über außen vor bleiben. Es macht auch wenig Sinn zu hinterfragen, warum sich Neds Frau Barb (Megan Mullally) so wenig einbringt oder auf welchen Fundamenten die Beziehung von Stephanie (Zoey Deutch) und Laird eigentlich beruht. Wie Ned, dieser konservative Verfechter "echter" Arbeit, soll man bloß über die Possen eines superreichen Clowns staunen, den Franco mit dezentem Overacting allzu glaubhaft verkörpert. Unterstützung findet er in seinem Assistenten Gustav (Keegan-Michael Key, original mit bairischem, synchronisiert mit spanischem Dialekt). Die Szene, in dem dieser Ned bei der Bedienung der High-Tech-Toilette unterstützt, ist wohl die lustigste.

movieclips trailers
Trailer in Originalsprache (englisch).

Tatsächlich gibt es auch einige – freilich durchwegs tiefe – Pointen, die auch zünden. Abgesehen davon, dass bei dem Fehlen jeglicher Entwicklung ein paar Filmminuten weniger durchaus mehr gewesen wären, ist es aber besonders das Ende, mit dem Why Him? die meisten Sympathien verspielt. Wie hier völlig unmotiviert ein Happy End erzwungen und damit jedes anarchische Potenzial verschenkt wird – sowie das Suchen einer Antwort auf das durch Ned und Laird personifizierte Auseinanderdriften von Gesellschaftsschichten schlicht verweigert –, das sucht wirklich seinesgleichen. (Dorian Waller, 13.1.2017)

Jetzt im Kino

  • Der Schwiegersohn in spe hat den Elchtest noch vor sich: Bryan Cranston zeigt sich mit Familie bis dahin vom neuen Freund der Tochter, dem Internetmilliardär Laird (James Franco), wenig beeindruckt.
    foto: twentieth century fox

    Der Schwiegersohn in spe hat den Elchtest noch vor sich: Bryan Cranston zeigt sich mit Familie bis dahin vom neuen Freund der Tochter, dem Internetmilliardär Laird (James Franco), wenig beeindruckt.

    Share if you care.