Unicredit-Hauptversammlung: Votum wie in Nordkorea

12. Jänner 2017, 17:02
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99,6 Prozent der anwesenden Aktionäre stimmten der Kapitalerhöhung zu

Mailand/Rom – Die Hauptversammlung der Aktionäre der Bank Austria-Mutter Unicredit hat am Donnerstag einer Kapitalerhöhung von 13 Milliarden Euro zugestimmt. Sie ist die bisher größte in der italienischen Wirtschaftsgeschichte.

Für die Kapitalerhöhung, Eckpfeiler des am 13. Dezember vorgestellten Entwicklungsplans der Bank, stimmten 99,6 Prozent der anwesenden Aktionäre, die 52 Prozent des Kapitals vertreten. Der seit Juli amtierende Bankchef Jean-Pierre Mustier zeigte sich zuversichtlich, genügend Geldgeber zu finden. Von der Hauptversammlung wurde er im Amt bestätigt.

Kredite im Wert von 23,7 Milliarden werden abgestoßen

Der Franzose meinte, es gebe Interesse von europäischen und amerikanischen Investoren. Er halte es auch für möglich, dass die Kapitalmaßnahme bis Mitte März über die Bühne gehe. Die Bank wolle sich in den nächsten Jahren von notleidenden Krediten im Umfang von 23,7 Milliarden Euro trennen. Die Kapitalerhöhung erfordere zwar von den Aktionären Opfer, sie sei jedoch für den Neustart der Bank von ausschlaggebender Bedeutung. 2017 werde ein durchaus wichtiges Jahr für die Bank sein.

In den letzten Wochen habe er 200 Investoren getroffen, sagte der Franzose. Das Interesse an Italien sei groß. "Der Regierungsplan im Volumen von 20 Milliarden Euro zur Stabilisierung des Bankensektors macht den italienischen Finanzsektor vor Augen der Investoren besonders interessant", meinte Mustier.

"Der Markt erfordert eine entschlossene Trendwende, und das können wir nicht ignorieren", sagte Verwaltungsratspräsident Giuseppe Vita vor den Aktionären. Mit einer stärkeren Kapitaldecke könne die Bank den Entwicklungen besser standhalten. Unicredit werde jedoch seiner gesamteuropäischen Dimension treu bleiben. "Wir vertrauen Europas Potenzial", kommentierte Vita.

In den nächsten drei Jahren werde Unicredit weiterhin ihre Entwicklung fortsetzen, und die Stärkung der Kapitaldecke sei eine ausschlaggebende Bedingung dazu. "Wir haben beschlossen, allein auf unsere Kräfte zu vertrauen, um diese Phase des Wandels zu bewältigen", so Vita. Der Markt vertraue dem Entwicklungsplan von Unicredit, wie der positive Trend der Aktie in den letzten Wochen bezeuge.

Die Bank Cariverona, größter italienischer Aktionär der Bank-Austria-Mutter, hat inzwischen die Beteiligung an Unicredit reduziert. Der Cariverona-Anteil wurde von 2,7 auf 2,2 Prozent zurückgeschraubt. Cariverona prüft noch, ob sie die milliardenschwere Kapitalaufstockung der Bank unterstützen wird.

In Italien fallen nach dem neuen Plan 3.900 Jobs dem Sparstift zum Opfer, mitsamt den bisherigen Stellenstreichungen sollen es bis 2019 dann 9.400 Beschäftigte weniger sein. Geplant ist die Schließung von 883 Filialen. Das sind 27 Prozent aller Filialen in Italien. In Italien und in Deutschland sollen nach drei Jahren jeweils um 21 Prozent weniger Beschäftigte auf der Payroll stehen. In Österreich soll die Zahl der Mitarbeiter laut Entwicklungsplan um 19 Prozent (Vollzeitarbeitskräfte) sinken. (APA, 12.1.2016)

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