Fünfter Jahrestag: Costa ist weg, Wunde bleibt

13. Jänner 2017, 06:00
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2012 hat Kapitän Francesco Schettino die Costa Concordia gegen eine Klippe vor Giglio gesteuert. 32 Menschen starben

Am Freitag wird Giglios Bürgermeister Sergio Ortelli an der Gedenktafel auf der Hafenmauer einen Blumenstrauß niederlegen – auf der Tafel sind die Namen aller 32 Opfer eingraviert, die bei der Havarie vom 13. Jänner 2012 ums Leben gekommen sind. Einen weiteren Blumenkranz werden einheimische Fischer in das Meer vor dem Hafeneingang werfen – dort, wo die Costa Concordia vor fünf Jahren gestrandet ist. "Für die Insel Giglio ist die Concordia-Tragödie eine Wunde, die nie heilen wird" , betont Bürgermeister Ortelli. Der 13. Jänner ist vom Gemeinderat Giglios letztes Jahr zu einem offiziellen Gedenktag erhoben worden, der nun jedes Jahr begangen werden soll.

Die Costa Concordia selbst wird in wenigen Wochen nur noch eine schmerzliche Erinnerung sein: Nachdem das 290 Meter lange und 36 Meter breite Kreuzfahrtschiff in einer aufwendigen Bergungsaktion wieder aufgerichtet und im Juli 2014 nach Genua abgeschleppt worden war, ist es im dortigen Hafen vom Consorzio Ship Recycling beinahe restlos ausgeweidet, zersägt, zerlegt, eingeschmolzen und verschrottet worden. "Die Abwrackung der Costa Concordia ist das bedeutendste Projekt dieser Art, das in Italien und vielleicht sogar in der Welt je durchgeführt wurde", betont Ferdinando Garré, Chef des Unternehmens, das die Verschrottung übernommen hat.

Gutes Geld

Umgerechnet 98 Millionen Euro zahlt die US-Kreuzfahrtgesellschaft Carnival, zu der die Reederei der Costa Concordia gehört, für die Verschrottungsarbeiten an das private Konsortium. Hinzu kommen die Erlöse aus dem Recycling: Laut Garré können 100 Prozent des Stahls wiederverwertet werden – also rund 50.000 Tonnen. Das hat zu weiteren Einnahmen von etwa 14 Millionen Euro geführt. Vom übrigen Material konnten etwa 80 Prozent wiederverwendet werden. Bis Ende Februar wird das letzte Stück Eisen des Schiffs ins Stahlwerk gehen – und dann wird außer der Gedenktafel in Giglio nichts mehr an das schlimmste Passagierschiffunglück der jüngeren italienischen Geschichte erinnern.

Kapitän Francesco Schettino hatte sein Schiff, auf dem sich 4229 Personen befanden, in der sternenklaren Nacht des 13. Jänner 2012 mit großer Geschwindigkeit viel zu nahe an die Insel Giglio gesteuert. Die Costa Concordia kollidierte mit einer Klippe, die den Rumpf auf einer Länge von 70 Metern aufriss.

Ins Rettungsboot gefallen

Statt umgehend die Evakuierung anzuordnen, verbreitete der Kapitän zunächst Beschwichtigungen – um dann unabsichtlich in ein Rettungsboot zu fallen, wie er dem Gericht weismachen wollte. Wäre das manövrierunfähige Schiff, statt im untiefen Wasser vor der Hafeneinfahrt zu stranden, auch nur wenige Dutzend Meter aufs offene Meer hinausgetrieben, dann wäre es untergegangen – und die Opferbilanz mit großer Wahrscheinlichkeit sehr viel schlimmer ausgefallen.

Unglückskapitän Schettino – von den italienischen Medien auch "Kapitän Feigling" genannt – ist im Februar 2015 wegen Schiffbruchs, fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu einer Strafe von 16 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Außerdem verfügte das Gericht für ihn und die Reederei Costa Crociere zum Teil hohe Schadenersatzzahlungen an Zivilparteien.

Ende Mai 2016 ist das Urteil vom Berufungsgericht in Florenz bestätigt worden. Dennoch befindet sich Schettino nach wie vor auf freiem Fuß: Die Verteidiger des Kapitäns haben das Urteil an den römischen Kassationshof weitergezogen, der in letzter Instanz entscheiden wird. (Dominik Straub aus Rom, 13.1.2017)

  • Zweieinhalb Jahre lag das Schiffswrack vor Giglio. Nun ist vom Schiff fast nichts mehr übrig.
    foto: reuters/italian guardia di finanza/files

    Zweieinhalb Jahre lag das Schiffswrack vor Giglio. Nun ist vom Schiff fast nichts mehr übrig.

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