Mitterlehner erfreut über "Schwenk" bei Studienplatzfinanzierung

12. Jänner 2017, 14:27
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Wissenschaftsminister rechnet mit raschen Gesprächen

Wien – Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat sich am Donnerstag erfreut gezeigt über den "Schwenk" des Koalitionspartners beim Thema Studienplatzfinanzierung. Er geht davon aus, dass es rasch konkrete Gespräche mit der SPÖ dazu geben wird, hieß es gegenüber der APA in einer Reaktion auf die gestrige Grundsatzrede von Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ).

"Damit senken wir die Drop-Out-Rate, verkürzen die Studiendauer und erhöhen die Zahl der Abschlüsse", erklärte Mitterlehner. Die Vorteile kenne man bereits aus dem Fachhochschul-System, nämlich bessere Betreuungsrelationen mit realistisch planbarer Studiendauer. Es sei nun "erfreulich, dass die SPÖ sich endlich auch für die Hochschulen interessiert und bereit ist, über einen realistischen Zugang zum Studium zu sprechen", so der ÖVP-Obmann weiter. Man habe bereits seit langem auf die Vorarbeiten für eine kapazitätsorientierte Studienplatzfinanzierung gedrängt, verwies er auf die "langjährige Linie". Dieser aktuelle "Schwenk" werde daher begrüßt.

Zur ebenfalls von Kern angekündigten Exzellenzinitiative verwies Mitterlehner auf bereits länger bestehende Überlegungen. Im Wissenschaftsministerium arbeite man ohnehin bereits an eigenen Modellen und Initiativen.

Lob von Rektoren

Gemischt sind die Reaktionen auf die Pläne von Kern für eine generelle Studienplatzfinanzierung samt damit verbundenen Platzbeschränkungen an den Hochschulen ausgefallen: Während es von Universitätenkonferenz (uniko) und Heinz Engl, Rektor der Uni Wien, in Aussendungen Applaus gab, fürchtet die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) um den freien Hochschulzugang.

Für uniko-Präsident Oliver Vitouch zeugen Kerns Pläne von "Dynamik, Vision und dem Wunsch zu gestalten", sein Bekenntnis zu einer Studienplatzfinanzierung mache Hoffnung auf eine Auflösung der lange währenden Blockaden zwischen SPÖ und ÖVP in der Hochschulpolitik. "Sollte diese (die Studienplatzfinanzierung, Anm.) 2017 tatsächlich umgesetzt werden, dann hätte die Koalition ein Musterbeispiel für sachliche, lösungsorientierte, von Dogmen befreite Regierungsarbeit geliefert."

Kapazitäten Rechnung tragen

Uni-Wien-Rektor Heinz Engl betonte in einer Stellungnahme gegenüber der APA, dass die Studienplatzfinanzierung notwendigerweise mit Aufnahmeverfahren einhergehen müsste, die den "vorhandenen und auszuweitenden Kapazitäten Rechnung tragen". In den Natur- und Lebenswissenschaften müssten außerdem Raum- und Laborkapazitäten massiv ausgeweitet und modernisiert werden. "Ermutigend" findet Engl auch Kerns Bekenntnis zur Steigerung der Forschungsquote. Europa müsse hier massive Anstrengungen unternehmen, um den Anschluss an die Weltspitze zu halten.

Gespalten sieht die FPÖ Kerns Ankündigung: Zwar propagiere er mit der Studienplatzfinanzierung "eine alte FPÖ-Forderung", dass dafür allerdings der Studienzugang "per Dekretierung von oben" beschränkt werden solle, ist für Wissenschaftssprecher Andreas Karlsböck "inakzeptabel". "Die direkte Form der Studienplatzfinanzierung darf nicht zu Zugangsbeschränkungen führen", betonte die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Marie Fleischhacker (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS). Die geplante Leistungsselektion bringe keine bessere soziale Durchmischung an den österreichischen Hochschulen.

Andere Studentenvertreter befürworten hingegen den "Plan A" für die Universitäten: Für die ÖVP-nahe AktionsGemeinschaft (AG) ist Kern mit seinem Vorstoß für eine generelle Studienplatzfinanzierung "in der Gegenwart angekommen". Auch die JUNOS – Junge Liberale Studierenden lobten Kerns Pläne, vermissen allerdings ein Eintreten für Studiengebühren. (APA, 12.1.2017)

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