Österreicher wollen öfter verreisen und buchen früher

12. Jänner 2017, 14:50
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Die Urlaubslust scheint ungebremst, die Brieftasche besser gefüllt. Selbst Weltraumflüge kann sich der eine oder die andere vorstellen

Wien – Viele Jahre lang haben die von Reiseveranstaltern offerierten Frühbucherrabatte in Österreich kaum Anklang gefunden. Dies scheint heuer anders zu sein. "34 Prozent buchen 2017 früher als sonst", sagte Helga Freund, Vorstandsdirektorin des Verkehrsbüros am Donnerstag am, Rande der noch bis Sonntag geöffneten Ferienmesse in Wien. Das seien in erster Linie Familien, bei denen der Rabatt ins Gewicht fällt, und Singles, die ganz sicher gehen wollten, ein Einzelzimmer zu ergattern.

Die Frübucherrabatte bringen im Schnitt Einsparungen von rund 20 Prozent auf den Gesamtpreis und sind in der Regel bis Ende Jänner buchbar. Ein weiterer Trend, der ins Auge sticht und mittels Umfrage herausgefiltert wurde: Heuer planen noch mehr Österreicher eine Urlaubsreise als im vergangenen Jahr. Waren es bei der letztjährigen, auch vom Gallup-Institut durchgeführten Umfrage zufolge 90 Prozent der rund 1000 interviewten Österreicher über 18 Jahre, die angaben, in den darauffolgenden Monaten verreisen zu wollen, sind es aktuell 93 Prozent.

Sicherheit zuerst

Zudem ist die Zahl der Personen, die ihre wirtschaftliche Situation besser einschätzen als noch vor einem Jahr, gestiegen – von 43 auf 46 Prozent. 13 Prozent gaben die Steuerreform als Grund für ihr höheres Urlaubsbudget an. In der Auswahl der Reisedestinationen ist die Mehrzahl der Befragten selektiver geworden: Mehr als die Hälfte, nämlich 55 Prozent geben an, zwar auch ins Ausland zu verreisen, aber bestimmte Destinationen meiden zu wollen. "Während die Türkei stark verloren hat, profitieren Länder, die als sicher gelten wie Italien, Spanien und Kroatien`, sagte Freund. Bei Griechenland zeige sich, dass das im vergangenen Jahr besonders stark präsente Flüchtlingsthema, das auch das Buchungsverhalten beeinflusst habe, heuer offenbar bewältigt sei. Österreich werde stabil nachgefragt, Fern- und Städtereisen erfreuten sich weiter großer Beliebtheit. Und das nicht nur zulande.

Auch in den Weltraum zieht es die Menschen. Auf die Frage, welchen Urlaubswunsch sie sich am liebsten erfüllen lassen würden antworteten 44 Prozent, sie wollten gefährdete Regionen oder Tierwelten, zum Beispiel Gletscher besuchen. Immerhin 18 Prozent gaben an, sie würden gerne ins Weltall reisen, Singles sogar zu 36 Prozent.

Österreich profitiert

Was den Urlaub in Österreich betrifft, stehen die Vorzeichen weiterhin gut, wiewohl sich die Urlaubsentscheidungen von junger und älterer Generation zunehmend auseinander zu entwickeln beginnen. Laut einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Market im Auftrag des Fachverbands Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer spielen Bewertungen auf Online-Portalen generell eine immer größere Rolle. 41 Prozent von 533 repräsentativ befragten Österreichern über 16 Jahre gaben an, dass Bewertungen und Ratings wichtig für ihre Urlaubsentscheidung sind, gegenüber 31 Prozent ein Jahr davor. Deutlich höher fällt die Zustimmung bei Personen bis 29 Jahre aus (59 Prozent), während für Personen ab 50 dies noch ein weniger wichtiges Kriterium zu sein scheint (28 Prozent).

Gute Rahmenbedingungen wie kaltes Wett und Schnee können aber dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das zugeschüttet geglaubte "Jännerloch" heuer wieder aufgetan hat. Petra Nocker-Schwarzenbacher, oberste Touristikerin in der Wirtschaftskammer, sieht vor allem im Ausbleiben russischer Gäste den Hauptgrund dafür. Ein Mux aus Wirtschaftssanktionen, Wirtschaftskrise und Rubelverfall hat dazu geführt, dass russische Urlauber, die vor allem während der orthodoxen Weihnachten in der ersten Jännerhälfte in Regionen wie Zell am See, Mayerhofen und Ischgl in Tirol für eine Art Sonderkonjunktur sorgten, zuhause geblieben sind. (Günther Strobl, 12.01.2017)

  • Starke Zuwächse verzeichnen alle Mittelmeerdestinationen außer der Türkei.
    foto: reuters/antonio bronic

    Starke Zuwächse verzeichnen alle Mittelmeerdestinationen außer der Türkei.

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    foto: reuters/antonio bronic
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