Eltern und Kind: Warum gemeinsame Vorsätze nützlich sind

Blog13. Jänner 2017, 13:44
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Familien sollten sich Vorsätze für ein gemeinsamen Wir vornehmen, die sich auch auf das Ich positiv auswirken

Richard und seine neue Lebenspartnerin Viktoria feiern zum ersten Mal gemeinsam mit seinen Kindern Rebecca (9) und Emil (13) Silvester. Während Richard sich bis jetzt nie Vorsätze für das neue Jahr zurechtgelegt hat, bringt Viktoria beim letzten gemeinsamen Abendessen des alten Jahres das Thema "Neujahrsvorsätze" zur Sprache. Emil möchte gerne mit seinen Freunden feiern, den interessiert das Thema nicht, aber Rebecca ist seit einer Stunde damit beschäftigt sich einen Vorsatz für das neue Jahr auszudenken.

Wie jedes Jahr schreiben Ulrike und Gernot ihre Neujahrsvorsätze auf ein Blatt Papier und befestigen diese für alle sichtbar am Kühlschrank. Während Christopher (4) für einen Vorsatz noch zu klein ist, suchen die Eltern mit den anderen beiden Kindern Emanuel (8) und Ricarda (12) jeweils einen für jedes Kind individuellen Vorsatz für das neue Jahr. Auch diese werden schön gestaltet auf einem Blatt Papier an die Zimmertüre geklebt, damit sie für alle und vor allem für die Kinder deutlich zu sehen sind.

Zum ersten Mal fragt Jenny (7) ihre Eltern, wieso es in ihrer Familie keine Neujahrsvorsätze gibt. In der Schule hat die Lehrerin mit den Kindern der ganzen Klasse darüber gesprochen, dass es solche Vorsätze gibt. Aber bei Jenny zu Hause ist das nicht so.

Die Idee des Vorsatzes zum neuen Jahr

Wie oft haben Menschen sich schon einen Vorsatz fürs neue Jahr vorgenommen, um dann diesen gleich bei der nächstbesten Gelegenheit wieder über Bord zu werfen: wie zum Beispiel das Rauchen zu beenden oder viel mehr Sport zu treiben, mit dem Geld sparsamer umzugehen und jeden Tag das Kleingeld in eine extra dafür vorgesehene Dose zu geben, einen Gemüsetag pro Woche einzulegen, einfach 10 kg in den nächsten Monaten abzunehmen, et cetera.

Welchen Grund hat es, dass Menschen sich zu Beginn eines neuen Jahres Vorsätze suchen? Zum einen ist es Tradition, sich etwas für das beginnende Jahr vorzunehmen. Das alte Jahr ist abgeschlossen also gibt es einen Anlass wieder neu zu starten. Der Jahreswechsel bietet somit immer wieder erneute Chancen, Pläne und Ideen für das eigene Leben zu entwickeln und dann umzusetzen. Unter dem Motto "und diesmal schaffe ich es wirklich", sehen Viele nach unzähligen Misserfolgen wieder einmal die Möglichkeit den Vorsatz doch noch in die Tat umzusetzen. Meist ist die Motivation am 1. Jänner dafür sehr hoch.

Zum anderen erhoffen sich Menschen mit ihren Vorsätzen am Beginn des Jahres zu mehr Kontrolle über ihr Leben zu gelangen. Dadurch, dass sich zu diesem Datum viele Personen Vorsätze überlegen, entsteht in den Köpfen der meisten Beteiligten ein gewisses vermeintliches Gefühl von Solidarität. Damit hat jede/jeder Einzelne das Gefühl, dass das Gelingen aufgrund dieser Gemeinsamkeit leichter möglich ist. Dabei vergessen Menschen nur allzu gerne, dass es am Willen und der eigenen Konsequenz liegt, ob sie ihr Ziel erreichen oder ihren Vorsatz längerfristig in die Tat umsetzen können.

Neujahrsvorsätze in der Familie

Nicht selten kommt es vor, dass Eltern gutgemeinte Ideen für Vorsätze ihrer Kinder haben: "Du kannst dir vornehmen, von diesem Jahr an endlich mal alle deine Hausübungen zu machen!" oder "Jede Woche selbstständig das eigene Zimmer aufzuräumen!" "Nicht mehr mit deinen Geschwistern zu streiten." "Selbstständiger zu werden und nicht so viel Freizeit im Internet und am Computer zu verbringen."

Sind wir einmal ehrlich, viele dieser gut gemeinten Vorschläge, welche Vorsätze sich Kinder und Jugendliche bereitlegen sollten, kommen aus den eigenen Wünschen der Eltern und Bezugspersonen und sind nicht die, die Kinder und Jugendliche sich aus freien Stücken wählen würden.

Zur Tradition des Vorsatzes für einen selbst, kann hier ein neuer Gedanke kommen: Was wäre, wenn es Vorsätze für ein gemeinsames Wir gäbe, die letztendlich auch positiv für das Ich sind?

Womöglich fehlt manchmal die Idee dafür, dass es auch ein Neujahrsvorsatz sein kann, etwas mit oder für jemanden anderen und nicht ausschließlich egoistisch für die eigene Person zu tun. Zumeist bringt das schlussendlich auch etwas Positives für den Menschen, der sich bewusst Zeit für den anderen nimmt!

Wie toll wäre also ein Neujahrsvorsatz, der zum Beispiel zum Ziel hat, mehr Geduld mit den pubertierenden Kindern oder dem trotzigen Kleinkind zu haben oder einmal in der Woche die Zeit zu haben mit dem Nachwuchs gemeinsam etwas zu unternehmen? Oder aber das regelmäßige Spielen mit den Kindern oder die wichtige Kommunikation in der Familie wieder mehr zu forcieren.

Ihre Erfahrungen?

Wie halten Sie es mit Neujahrsvorsätzen in Ihrer Familie? Welche Vorsätze für ein Wir wären Ihnen wichtig? Was spricht dafür oder dagegen Vorsätze für die eigene Person zu haben? Was spricht dafür oder dagegen Vorsätze für ein gemeinsames Wir zu haben? Posten Sie Ihre Erfahrungen, Fragen und Ideen im Forum! (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 13.1.2017)

Andrea Leidlmayr und Christine Strableg bloggen auf derStandard.at/Familie und geben Eltern Tipps für den täglichen Erziehungsalltag.

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