Ohne Nase geboren: Ursache entschlüsselt

12. Jänner 2017, 09:50
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Forscher fanden heraus, dass für Arhinie eine Mutation im Gen SMCHD1 verantwortlich ist

Göttingen – Die Arhinie ist eine äußerst seltene Erkrankung von der weltweit weniger als fünfzig Menschen betroffen sind. Das typische Kennzeichen: Patienten haben keine oder eine nicht vollausgebildete Nase.

Die genetische Ursache dieser angeborenen Erkrankung war bislang unbekannt. Einem internationalen Forscherteam des Instituts für Humangenetik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist es nun gelungen, die genetische Ursache der fehlenden Nasenentwicklung bei Patienten mit Arhinie zu entschlüsseln.

Verantwortlich für die Erkrankung ist eine Mutation im Gen SMCHD1. In ihrer Studie haben die Wissenschaftler das Erbgut von 14 Arhinie-Patienten untersucht. Mit molekulargenetischen Methoden, dem sogenannten Next-Generation-Sequencing, analysierten sie gezielt die proteinkodierenden Elemente aller jeweils zirka 19.000 Gene der Betroffenen.

Art der Mutation ausschlaggebend

Sämtliche Patienten trugen eine krankheitsverursachende Veränderung im selben Gen, dem Gen SMCHD1. Die Mutationen waren in der Erbinformation der Patienten jeweils neu entstanden, das heißt nicht von den Eltern vererbt. Dass Mutationen im Gen SMCHD1 schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit haben können, war bereits bekannt. Allerdings wurden diese bislang nur im Zusammenhang mit der sogenannten fazioskapulohumeralen Muskeldystrophie (FSHD) nachgewiesen, einer angeborenen Muskelerkrankung, die in seltenen Fällen auch den Herzmuskel betreffen kann.

"Die neuen genetischen Untersuchungen legten nun also nahe, dass Veränderungen im Gen SMCHD1 je nach Art der Mutation völlig unterschiedliche Erkrankungen hervorrufen können, die ganz unterschiedliche Organsysteme und Gewebe betreffen", sagt Gökhan Yigit vom Institut für Humangenetik der UMG.

Krankheitsbilder schließen sich aus

Um Aufschluss über die genauen Folgen der jeweiligen Mutationen und neue Einblicke in die Funktion des produzierten Proteins SMCHD1 zu gewinnen, führten die Forscher biochemische und weitere funktionelle Tests durch. Diese Untersuchungen zeigten, dass die bei Patienten mit Arhinie gefundenen Mutationen die Proteinfunktion steigern. Damit entfalten sie eine entgegengesetzte Wirkung als die FSHD verursachenden Genveränderungen, denn diese führen zu einer Funktionseinschränkung des Proteins.

Zu diesen Ergebnissen passt auch, dass beide Krankheitsbilder nicht gemeinsam auftreten: Alle beschriebenen Patienten mit SMCHD1-Mutationen zeigen entweder eine Muskelerkrankung oder eine fehlende Nase. Die Art und funktionelle Konsequenz der Mutationen in SMCHD1 entscheiden also über das auftretende Krankheitsbild. (red, 12.1.2017)

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