Verwunderung über Rücktrittsdebatte im ÖSV

11. Jänner 2017, 23:57
217 Postings

Präsident Schröcksnadel legte Michaela Kirchgasser angeblich das Karriereende nahe – Görgl: "Fühle mich nicht angesprochen"

Zauchensee/Flachau – Dass ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel einigen arrivierten Läuferinnen wie Michaela Kirchgasser den Rücktritt ans Herz gelegt haben soll, sorgt in Österreichs Damen-Skiteam für große Verwunderung. "Das hat er so nicht gesagt. Er hat sie nie wörtlich genannt, das weiß ich von ihm persönlich", reagierte Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum erstaunt.

Das Damenteam ist von Rücktritten und Verletzungen stark dezimiert worden. Schröcksnadel hatte nach dem Nachtslalom in Flachau zwar vor allem die jungen ÖSV-Läuferinnen wie Katharina Truppe – die Kärntnerin schaffte mit Platz sechs den Sprung zum City Event in Stockholm – gelobt, aber Unzufriedenheit über einige "Arrivierte" geäußert.

"Wenn es nicht mehr geht, ist es eben vorbei. Dann muss man eben aufhören und einfach gehen", wurde Schröcksnadel in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Laut der Zeitung war damit die verletzt fehlende Kirchgasser (31) gemeint gewesen.

"Er kann sie gar nicht gemeint haben. Sie ist für uns, wenn sie fit ist, bei der WM nach wie vor eine Medaillenkandidatin in der Kombination", sagt Kriechbaum. "Es wäre ein Selbstfaller, wenn er sie gemeint hätte."

Kriechbaum: "Vielleicht jemanden bei den Herren?"

Wen Schröcksnadel gemeint haben könnte, war auch für den Coach ein Rätsel. "Vielleicht jemanden bei den Herren? Das muss man ihn persönlich fragen", sagte Kriechbaum. "Er beurteilt sehr viele Dinge und hat eine kräftige Meinung, das ist zu respektieren. Aber wenn er jemanden konkret gemeint hat, sollte er es denen direkt sagen und nicht über die Presse."

Angesprochen fühlen könnte sich auch die bald 36-jährige Elisabeth Görgl. Die Doppelweltmeisterin von 2011 hat in diesem Winter noch keine nennenswerten Ergebnisse gebracht, peilt aber nach wie vor einen WM-Start in St. Moritz an. "Natürlich gehören Leistungen her. Aber ich fühle mich nicht angesprochen. Unser Chef müsste uns so gut kennen, dass er weiß, dass wir wissen, worum es geht", erwiderte die Steirerin.

Görgl, in der "bereinigten" Weltcup-Abfahrtsstartliste die Nummer zwei hinter Mirjam Puchner, nahm auch Kirchgasser in Schutz. "Sie hat sehr schnelle Schwünge, und oft ist es nur eine Nuance, und es läuft wieder. Auch mich hatte man vor drei Jahren schon abgeschrieben, und dann habe ich in Val d'Isere wieder gewonnen."

Kirchgasser selbst ist Zweite der Kombinationsjahreswertung und war zuletzt in Val d'Isere Kombi-Fünfte geworden. Auf den Flachau-Slalom hatte die dreifache Teamweltmeisterin verzichten müssen, weil ihr verletztes Knie wieder zu schmerzen begonnen hatte. Zudem ist die Baker-Zyste geplatzt. Mit einem entzündungshemmenden Medikament soll sie wieder renntauglich gemacht werden. Kriechbaum: "Wenn die Schwellung abheilt und vorher noch ein Training möglich ist, ist die Kombi am Sonntag in Zauchensee durchaus ein Thema." (APA, 11.1.2016)

  • Michaela Kirchgasser? "Sie ist für uns, wenn sie fit ist, bei der WM nach wie vor eine Medaillenkandidatin in der Kombination", sagt Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum.
    foto: apa/techt

    Michaela Kirchgasser? "Sie ist für uns, wenn sie fit ist, bei der WM nach wie vor eine Medaillenkandidatin in der Kombination", sagt Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum.

Share if you care.