"Nicht möglich, nach Wels zu schalten": Wo die ORF-Technik scheitert

    12. Jänner 2017, 07:00
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    "Herr Bürger, hören Sie mich?" – ORF: "Mehrere unzusammenhängende Probleme im Signalweg"

    Wien – Stell dir vor, der Kanzler redet zwei Stunden in Wels, und der ORF schafft keine TV-Verbindung dorthin – während der Privatsender Puls 4 (und die ORF-TVthek) die Rede live übertragen hat. Also geschah es Mittwochabend, was den beeindruckend nervenstarken Anchorman Tarek Leitner in der "Zeit im Bild" nur trocken bei einem der Anläufe seufzen ließ: "Es tut mir leid, dass es nicht möglich ist, eine Fernsehleitung nach Wels zustande zu bringen." Ganz am Ende der "Zeit im Bild" gelang es ja dann doch noch – und eineinhalb Stunden später vor allem beim Liveinterview mit Christian Kern für die "ZiB 2".

    foto: screenshot orf-tvthek
    "Herr Bürger, hören Sie mich?" Tarek Leitner muss sich diese Frage beim zweiten Anlauf zur Verbindung nach Wels in der "Zeit im Bild" selbst beantworten.

    Man mag sich nicht vorstellen, was es für die Enquete von Kerns Medienminister Thomas Drozda im Frühjahr bedeutet hätte, wenn die Liveschalte ins "ZiB 2"-Studio zu Armin Wolf auch nicht geklappt hätte – wobei jedenfalls Kerns Vorgänger Werner Faymann just darüber wohl alles andere als unglücklich gewesen wäre.

    Bei Drozdas Enquete soll es um nicht weniger als die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (GIS-Gebühren!) gehen, um den öffentlich-rechtlichen Programmauftrag (für den es Gebühren gibt) und um die ORF-Aufsichtsgremien (die bisher größtenteils Bundes- und Landesregierungspolitik beschicken). Ab Montag versucht sich die ORF-Führung in einer Klausur auf diese ganz besondere Enquete vorzubereiten.

    Zwei Stunden Kanzler live

    Nun mag man sich auch nicht vorstellen, wie eine Zweistundenrede des Kanzlers live im öffentlich-rechtlichen ORF angekommen wäre – man erinnere sich an ein Kanzlersolo des Vorgängers "Im Zentrum" 2016. Aber: Eine zeitgerechte und friktionsfreie Liveschaltung für einen Kommentar des Innenpolitikchefs Hans Bürger über Christian Kern für die weitaus meistgesehenen Fernsehnachrichten des Landes wäre schon ganz schön gewesen.

    foto: screenshot orf-tvthek
    Schon der Beitrag aus Wels über die Kanzlerrede fand nicht rechtzeitig den Weg in die "Zeit im Bild" – hört Tarek Leitner gerade aus der Regie.

    Keine Verbindung in die Argentinierstraße

    Dabei hätte sich der Technik-GAU in der "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr – ein Problem mit dem Satelliten-Uplink laut ORF – durchaus absehen lassen. Haben Sie versucht, am vorigen Samstag den "Klassik-Treffpunkt" mit Otto Brusatti aus dem Radiocafé des ORF in der Wiener Argentinierstraße zu hören? Wenn ja, dann erfolglos: Der ORF sendete ein Not-Ersatzprogramm statt der wöchentlichen Livesendung. Der Screenshot dazu aus der Ö1-App:

    foto: screenshot ö1-app
    Keine Übertragung aus dem ORF-Funkhaus möglich.

    Die ORF-Technik schaffte letzten Samstag keine Live-Übertragung vom ORF-eigenen Standort Radiocafé im Komplex des noch vom ORF besiedelten und betriebenen Funkhauses in der Argentinierstraße.

    Die Technik, weiß jeder Laienbenutzer von PC oder Smartphone, kann schon ein Hund sein.

    ORF: "Keine Häufung von Ausfällen"

    Der ORF erklärt auf STANDARD-Anfrage zu den beiden Vorfällen:

    "Die beiden Vorfälle haben keinerlei Zusammenhang und liegen aus bloßem Zufall in zeitlicher Nähe. Es gibt keine Häufung von Ausfällen der Technik, im langjährigen Schnitt zeigt sich sogar eine stetige Verbesserung der Zuverlässigkeiten.

    Der Vorfall im Funkhaus beruhte auf dem Ausfall einer zentralen Komponente so knapp vor der Sendung, dass ein Wechsel ins Backup-Studio zeitlich nicht möglich war. Aus Wels war das Bild vorhanden, doch der Ton retour zum Moderator ist nicht angekommen, dies war durch mehrere kleinere unzusammenhängende Probleme im Signalweg nicht rasch behebbar." (fid, 12.1.2017)

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