Trumps Pressekonferenz: Die Show geht weiter

Kommentar11. Jänner 2017, 22:36
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Der künftige US-Präsident wird weiterhin aggressive Polemik betreiben

Die mit so viel Spannung erwartete erste Pressekonferenz von Donald Trump seit sechs Monaten hat die meisten Fragen unbeantwortet gelassen – sei es das zukünftige Verhältnis zwischen dem designierten US-Präsidenten und dem Kreml, die Pläne für das Gesundheitssystem oder die tatsächliche Rolle, die die Immobiliengeschäfte der Trump-Familie in der Amtsführung des Staatsoberhaupts spielen werden.

Aber eines ist in der knappen Stunde im New Yorker Trump Tower klar geworden: Präsident Trump wird sich vom Kandidaten Trump nicht unterscheiden. Er wird weiterhin aggressive Polemik gegen echte und vermeintliche Gegner betreiben, die Medien verächtlich machen, und Fakten so lange verdrehen, bis sie ihm ins momentane Konzept passen. Alle Regeln, an die sich demokratische und republikanische Präsidenten seit ewigen Zeiten gehalten haben, sind in der Trump-Ära obsolet.

Der Unterhaltungswert seiner öffentlichen Auftritte ist hoch, und seine Fähigkeit, schlagfertig jede unangenehme Frage zu parieren oder zu ignorieren, verdient Respekt. Aber wie mit nächtlichen Tweets und Reality-TV-Showeinlagen eine Supermacht regiert werden soll, ist völlig unklar. Weiterhin zeichnet sich bei Trump weder eine schlüssige außenpolitische Linie ab, noch eine abgestimmte Zusammenarbeit mit den Republikanern im Kongress. Das zeigt sich etwa bei der geplanten Abschaffung von Obamas Krankenversicherung, für die Trump einen sofortigen Ersatz verspricht, für den keine konkreten Konzepte existieren. Das hat im Wahlkampf funktioniert. Aber ab dem 20. Jänner wird der Entertainer auch an politischen Ergebnissen gemessen werden. Wenn Millionen ihre Krankenversicherung verlieren und für andere die Prämien explodieren, dann hört sich der Spaß für viele seiner Anhänger auf.

Das einzige, was Trump wirklich begeistert, und das war bei der Pressekonferenz merkbar, ist das Business. Wenn er über konkrete oder potenzielle Geschäfte spricht, dann leuchten seine Augen. Allein schon deshalb wird die halbgare Lösung, mit der er das Management seiner Unternehmen den Söhnen übergibt, die riesigen finanziellen Interessenskonflikte nicht lösen. Trump setzt darauf, dass auch hier die alten Regeln nicht mehr gelten und die Amerikaner es akzeptieren werden, dass die US-Präsidentschaft zum Geschäftsmodell wird. Wenn er recht behält, wäre das die größte Pleite der amerikanischen Demokratie. (Eric Frey, 11.1.2017)

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