Trump: "Russland steckt hinter Hackerangriffen im US-Wahlkampf"

11. Jänner 2017, 18:49
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Der künftige US-Präsident gab seiner erste Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg. Trump dementierte Medienberichte, wonach der russische Geheimdienst Informationen über ihn gesammelt hätte

"Fake News", "ein Haufen Müll", "kranke Leute am Werk": Es waren derbe Worte, mit denen der künftige US-Präsident Donald Trump Medienberichte zurückwies, die nicht nur das politische Washington in helle Aufregung versetzt hatten. Es sei nichts dran an diesen Meldungen, "es ist erfundenes Zeug, es ist nicht passiert", sagte der nächste Präsident der USA am Mittwoch im Foyer seines New Yorker Hochhauses, wo er sich zum ersten Mal seit sechs Monaten den Fragen von Journalisten stellte.

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Trump beschimpfte einen Reporter bei seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg.

Den Berichten zufolge soll der russische Geheimdienst FSB Trump eine Falle gestellt haben, um ihn erpressbar zu machen. Demnach soll es Aufnahmen geben, die den Bauunternehmer im Jahr 2013 mit Prostituierten in einem Moskauer Hotel zeigen. Trump war damals in die russische Hauptstadt geflogen, um die Kür der "Miss Universe" zu vermarkten, den lange Zeit von ihm gemanagten Schönheitswettbewerb. Der Unsinn über ihn, sagt er nun, sei womöglich von den eigenen Geheimdiensten in die Welt gesetzt worden. Falls es sich bewahrheite, wäre es ein großer, hässlicher Fleck auf deren Weste.

Dossier über Trumps Privat- und Geschäftsleben

Bereits seit Wochen macht der designierte US-Präsident mit einer Serie harscher Tweets deutlich, dass er den eigenen Schlapphüten mit tiefem Misstrauen begegnet. Das Dossier mit kompromittierenden Einzelheiten aus seinem Privat- und Geschäftsleben, das kurz vor seiner Amtseinführung für solchen Wirbel sorgt, soll ein früherer Agent des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 mit Hilfe russischer Quellen angelegt haben. Zunächst, berichtet die Internet-Plattform BuzzFeed, die es auf 35 Seiten veröffentlichte, sollen es Trumps parteiinterne, republikanische Gegner in Auftrag gegeben haben. Sobald es am Dienstagabend zirkulierte, äußerten allerdings auch seriöse Zeitungen wie die "New York Times" oder die "Washington Post" Zweifel an der Stichhaltigkeit der darin enthaltenen Vorwürfe.

Trump selber griff einen Punkt heraus, um das Papier zu entkräften. Laut dem Dossier soll sein Rechtsberater Michael Cohen Ende August oder Anfang September 2016 nach Prag gereist sein, um sich – warum auch immer – mit russischen Agenten zu treffen. Er habe sich Cohens Reisepass zeigen lassen, so Trump. Für die genannte Zeit gebe es darin weder Ausreise- noch Einreisestempel, sein Anwalt sei also damals gar nicht außer Landes gewesen. Offenbar, fügte er süffisant hinzu, handle es sich um einen anderen Michael Cohen.

"Ich glaube, es war Russland"

Immerhin räumte der Milliardär ein, dass die amerikanischen Geheimdienste mit einer anderen Einschätzung richtig lagen. Mit der Annahme, dass es die russische Regierung war, die mitten im Wahlkampf Hacker auf den Parteiapparat der US-Demokraten ansetzten. "Ich glaube, es war Russland", sagte er, im Ton eher beiläufig, nachdem er genau das monatelang angezweifelt hatte. Auf die Frage, ob er Wladimir Putin für den Drahtzieher der Cyberattacke halte, weil der Mann im Kreml lieber Trump als Hillary Clinton im Weißen Haus sehen wollte, gab er eine ausweichende Antwort. "Wenn Putin Donald Trump mag, dann ist das in meinen Augen ein Plus, kein Minus." Er wisse nicht, ob er sich gut verstehen werde mit Putin. Er hoffe es, falls dies aber nicht der Fall sein sollte, "glauben Sie im Ernst, dass ihm Hillary härter entgegentreten würde als ich?"

Erst nach einer Weile kam er auf das Thema zu sprechen, dem die Pressekonferenz eigentlich gewidmet sein sollte. Auf die Frage, wie er mit seinem Firmenimperium umzugehen gedenkt, um latent schwelende Interessekonflikte zu vermeiden. Er werde seinen Söhnen Eric und Donald jr. das Management seiner Unternehmen anvertrauen, so der 70-Jährige: "Sie werden es professionell tun, und sie werden nichts mit mir besprechen." Dass sich der Ruf nach einer kompromisslosen Entflechtung von Geschäft und Amt damit erledigt hätte, glauben wohl nicht einmal die kühnsten Optimisten im Lager Trumps. (Frank Herrmann aus Washington, 11.1.2017)

  • Donald Trump beantwortete Fragen von Journalisten – allerdings nicht die Fragen von BuzzFeed-Journalisten und auch nicht von CNN-Journalisten.
    foto: afp photo / don emmert

    Donald Trump beantwortete Fragen von Journalisten – allerdings nicht die Fragen von BuzzFeed-Journalisten und auch nicht von CNN-Journalisten.

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