Briten bereiten sich auf Schlüsselrolle bei Zypern-Gesprächen vor

12. Jänner 2017, 10:00
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Griechenland, die Türkei und Großbritannien verhandeln am Donnerstag über eine Wiedervereinigung der Insel

Zur womöglich entscheidenden Verhandlungsrunde über die Wiedervereinigung Zyperns werden am Donnerstag die Vertreter der drei sogenannten Garantiemächte in Genf erwartet. Zunächst im Beisein der Außenminister Griechenlands, der Türkei und Großbritanniens will UN-Generalsekretär António Guterres die seit Wochenbeginn erzielten Fortschritte sichten.

Sollte eine Einigung der beteiligten Volksgruppen auf den beabsichtigten föderalen Staat möglich erscheinen, würden die Premierminister Theresa May und Alexis Tsipras sowie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Vertragsunterzeichnung dazustoßen. Die Mittelmeerinsel ist seit 1974 geteilt. Damals landete die Türkei Truppen im nordöstlichen Teil des Landes, um den von Putschisten geplanten Anschluss an Griechenland zu verhindern. UN-Friedenstruppen wachen über die Demarkationslinie, die seither das Land und die Metropole Nikosia durchschneidet.

Schon einmal gescheitert

Von den rund 1,2 Millionen Einwohnern leben 80 Prozent im mehrheitlich griechischen Teil. Dieser durfte 2004 auf griechischen Druck hin Mitglied der EU werden, obwohl die Bevölkerung damals eine bereits vertragsreife Wiedervereinigung per Volksabstimmung scheitern ließ.

Wie damals geht es auch bei den jüngsten, unter Vorsitz des norwegischen UN-Diplomaten Epsen Barth Eide geführten Verhandlungen um territoriale Ansprüche, Ausgleichszahlungen für die Vertriebenen der Volksgruppen und die zukünftige Verwaltung des Landes. Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades und sein Kollege Mustafa Akinci von der international isolierten türkischen Republik Nordzypern streben eine föderale Lösung mit zwei weit gehend autonomen Bundesstaaten an.

Britische Interessen

Gegenseitige Gebietsansprüche erschweren die Lage. Unter anderem wünschen sich die griechischen Zyprioten die fruchtbare Region rund um Mórfou/Güze lyurt. Umgekehrt pocht die türkische Minderheit darauf, dass auch weiterhin Soldaten Ankaras auf der Insel stationiert bleiben.

Für die beiden Nachbarstaaten würde eine Einigung ein diplomatisches und finanzielles Problem aus der Welt schaffen. Die Türkei hat im vergangenen Jahrzehnt rund drei Milliarden Euro in ihr Protektorat gesteckt, die Truppenstationierung stellt eine Dauerbelastung dar. Hingegen will die frühere Kolonialmacht Großbritannien, die Zypern 1960 in die Unabhängigkeit entließ, ihre eigenen Truppen unbedingt auf Zypern belassen.

Die beiden Militärbasen Akrotiri und Dekelia sind von überragender strategischer Bedeutung für die Briten und ihre US-Verbündeten. Von Zypern aus starten Kampfjets regelmäßig zu Einsätzen gegen den IS im Irak und in Syrien. 3.000 Soldaten sind dort dauerhaft stationiert, insgesamt leben 60.000 Briten auf der Insel. (Sebastian Borger aus London, 12.1.2017)

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