Die ausgerotteten Riesenschildkröten der Bahamas

13. Jänner 2017, 12:06
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Deutsche Forscher untersuchten Fossilien von Chelonoidis alburyorum und klärten deren Verwandtschaftsbeziehungen

Frankfurt – Riesenschildkröten – also Landschildkröten, die über einen Meter lang und mehrere hundert Kilogramm schwer werden – gibt es heute nur noch auf den Galapagos-Inseln und den Seychellen. Die Bewohnerinnen dieser beiden Inselgruppen sehen einander zwar ähnlich, gehören aber unterschiedlichen Gattungen an.

Früher waren derart großgewachsene Landschildkröten deutlich weiter verbreitet. Als größte von allen gilt die Atlasschildkröte (Colossochelys atlas), die bis vor drei Millionen Jahren in weiten Gebieten Südasiens lebte und über zweieinhalb Meter lang wurde. Ihr Panzer dürfte am Scheitelpunkt 1,80 Meter Höhe erreicht haben, das Gewicht der ausgestorbenen Giganten wird auf eine bis vier Tonnen geschätzt.

foto: brian kakuk
Panzer der Bahamas-Schildkröten wurden in sogenannten Blauen Löchern konserviert: Karstlöchern, die sich mit Meerwasser gefüllt haben.

Noch in historischer Zeit erreichten andere Schildkrötenarten ebenfalls recht beeindruckende Größen. Eine davon, die bis vor etwa 850 Jahren auf den Bahamas vorkam, stand im Fokus einer Studie deutscher Forscher, wie das Frankfurter Senckenberg-Forschungsinstitut berichtet.

Die Inselgruppe am Rand der Karibik war die Heimat der Riesenschildkröte Chelonoidis alburyorum – allerdings nur bis kurz nach der Besiedlung der Inseln durch den Menschen. "Heute finden wir nur noch fossile Überreste dieser etwa einen halben Meter großen Schildkröten", sagt Uwe Fritz von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen.

Ein Team um den Evolutonsbiologen Michael Hofreiter von der Universität Potsdam gewann genetische Daten – ein nahezu vollständiges mitochondriales Genom – aus dem 1.000 Jahre alten Oberarmknochen einer Riesenschildkröte und konnte diese mit denen von heute lebenden Arten vergleichen. Dabei zeigte sich, dass die Tiere nahe mit den Galapagos-Schildkröten und den Chaco-Schildkröten aus Südamerika verwandt waren.

foto: nancy albury
Der Schädel einer Chelonoidis alburyorum.

Die nächsten Verwandten dieser Landschildkröten und zweier weiterer südamerikanischer Spezies leben, wie die Ergebnisse der Studie zeigen, erstaunlicherweise in Afrika. Diese Landbewohner müssen sich also in der Erdgeschichte mehrfach über die Ozeane hinweg, beispielsweise mit Treibgut, ausgebreitet haben und konnten so von Afrika nach Südamerika und von dort aus auf die Galapagos-Inseln und die Bahamas gelangen.

Die Riesenschildkröten der Bahamas verschwanden innerhalb weniger Jahre nach der Besiedlung der Inseln durch den Menschen – lange bevor Kolumbus Amerika entdeckte. Fritz dazu: "Dies ist ein allgemeines Muster, da auf den Bahamas und Antillen zahlreiche größere Tierarten kurz nach der Ankunft des Menschen verschwanden. Es zeigt, dass der Mensch auch früher nicht im Einklang mit der Natur lebte, sondern Nahrungsquellen schon immer übermäßig ausbeutete und Lebensräume veränderte." (red, 13. 1. 2017)

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