Warum der Jänner für Börsianer ein wichtiger Test ist

    15. Jänner 2017, 08:00
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    Der Jänner als Stimmungsindikator für das Börsenjahr: Anzeichen für einen positiven Trend sind gegeben – nun wird Trump zeigen, wie sehr er für Wirbel sorgt

    Wien – Der Jänner ist für Börsianer ein besonders wichtiger Monat. Denn es gibt die alte Regel: Läuft der Jänner an den Aktienbörsen gut, wird das gesamte Jahr mit einem Plus aus dem Handel gehen. Nach der ersten Handelswoche im neuen Jahr dürfen Börsianer zumindest hoffen – denn die Performance der ersten Tage kann sich wahrlich sehen lassen. Die beiden US-Indizes Dow Jones und S&P 500 sowie der britische FTSE 100 markierten bereits Rekordstände, in Deutschland hat der MDax ein Allzeithoch aufs Parkett gelegt, und der Dax erklomm den höchsten Stand seit August 2015.

    Doch nicht nur das laufende Jahr ist noch lang – auch der Jänner könnte zur Zitterpartie werden. Am 20. Jänner wird Donald Trump als US-Präsident angelobt. Seine Wahl hat im November die Märkte zwar überrascht, die Börsen haben aber nicht wirklich negativ reagiert. Nach einer Schrecksekunde haben sie Trump Vertrauen vorgeschossen. Historisch betrachtet, wurden republikanische Siege auch auf dem Parkett tendenziell goutiert.

    Niedrige Steuern und Bürokratieabbau

    Der Grund dafür liegt in den Themen: Mit Republikanern werden Bürokratieabbau, Fortschritte bei Unternehmenssteuern und auch sonst niedrigere Steuern verbunden. Bei diesen Agenden befindet sich Trump auf einer Linie mit der republikanischen Führung im Kongress. Trumps Ankündigungen Richtung Wirtschaft – Stichwort Strafzölle oder Handelsabkommen – sorgten jedoch für Verunsicherung. In Summe ist es auch möglich, dass Trump am Ende eine recht konventionelle republikanische Politik zeigt.

    Ein Zertifikat der Bank Vontobel, das jene Aktien zugrunde gelegt hat, die von Trumps Politik am meisten profitieren könnten, und das mit dem Wahltag emittiert wurde, liegt derzeit zumindest schon sechs Prozent im Plus.

    Die Zinspolitik wird heuer ebenfalls ein großes Thema sein. Dass die US-Notenbank Fed die Zinsen weiter anheben wird, gilt als ausgemachte Sache. Ob weitere Zinsschritte aber noch Spuren an den Börsen hinterlassen, ist allerdings fraglich. Denn Marktkenner beobachten seit einiger Zeit, dass sich die Wall Street von der Geldpolitik wieder abkoppelt.

    Bilanzsaison startet

    Unterstützung könnte auch von der Wirtschaft kommen. Das reale globale Wirtschaftswachstum habe sich in den vergangenen Quartalen trotz einiger negativer Schocks bemerkenswert gleichmäßig entwickelt, hält Gerhard Winzer, Chefvolkswirt der Erste Asset Management, fest. Der Trend der Wachstumsenttäuschungen sei damit vorüber. Zudem wurden die Schätzungen für das Wirtschaftswachstum zuletzt auch nicht mehr nach unten revidiert. Jedenfalls werden die Jahresbilanzen der Unternehmen ein Stimmungsbild liefern. Stabilisiert haben sich auch die Rohstoffpreise. Die Anzeichen für ein etwas höheres Wachstum der globalen Industrie sprechen auch für ein leichtes Plus in dieser Assetklasse.

    Ein positiver Jänner – und Aktien sind ja ein Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung – weist auch darauf hin, dass die Weltkonjunktur stärker wachsen könnte als im Vorjahr.

    Dass jede Regel auch ihre Ausnahmen hat, zeigte allerdings das vergangene Jahr. Denn im Vorjahr war die Performance der Börsen im Jänner sehr schlecht – trotzdem ist am Ende des Jahres ein schönes Plus herausgekommen. (Bettina Pfluger, 15.1.2017)

    • Wird Donald Trump mit seiner Politik die New Yorker Börse  beeinflussen? Eine der Fragen, die heuer wichtig sein werden.
      foto: ap photo/mark lennihan

      Wird Donald Trump mit seiner Politik die New Yorker Börse beeinflussen? Eine der Fragen, die heuer wichtig sein werden.

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