Grippe-Impfprogramm für Kinder angedacht

11. Jänner 2017, 14:37
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Kinder bringen als "Virenschleudern" die Influenza in die Familien. Sie selbst und ihre Eltern überstehen die Krankheit meist gut, für die Großeltern kann sie tödlich werden

In Österreich wird eine Aufnahme der Grippe-Prophylaxe für Kinder in das Impfprogramm angedacht. Das sagte Ursula Wiedermann-Schmidt von der MedUni Wien, Mitglied des Obersten Sanitätsrats und wissenschaftliche Leiterin des Österreichischen Impftags 2017, bei einer Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung in Wien.

Die "Moral" der Österreicher in Sachen Influenza-Prophylaxe ist derzeit nicht sehr ausgeprägt. Nicht einmal zehn Prozent der Menschen sind geimpft. Die Konsequenzen daraus lassen sich an Zahlen ablesen: Allein in Wien sind derzeit 20.000 Leute an der durch einen Virus hervorgerufenen Grippe erkrankt. "Kinder sind die Hauptschleuder", sagte Wiedermann-Schmidt, die an der MedUni das Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin leitet. "Sie bringen die Influenza in die Familie." Was Kinder selber und gesunde Erwachsene in der Regel gut überstehen, kann für Großeltern lebensbedrohlich sein.

Eine große Grippe-Epidemie ließe sich schon durch eine Durchimpfungsrate von 40 Prozent bei Kindern verhindern. Positive Erfahrungen hat man laut Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Ärztekammer, diesbezüglich in Großbritannien gemacht. Dort gibt es ein Immunisierungsprogramm für Kinder vom zweiten bis zum sechsten Lebensjahr. Eine für Kleinkinder taugliche Form der Verabreichung des Vakzins – keine Injektion – gibt es auch in Österreich, nämlich den nasalen Grippe-Impfstoff. Dieser kostet allerdings 50 Euro und damit mehr als doppelt so viel wie die Grippe-Impfstoff für Erwachsene, wie Christian Müller-Uri, Vizepräsident der Apothekerkammer, erläuterte. Angesichts des beträchtlichen Preises hält sich die Nachfrage in Grenzen. Auch die Verabreichung dieses nasalen Impfstoffes ist Sache der Mediziner.

Arzt-Hemschwelle in Österreich

Influenza ist nicht die einzige Erkrankung, bei deren Vorbeugung die Menschen hierzulande den Kopf in den Sand stecken. "Auch bei Masern gibt es absoluten Nachholbedarf", sagte Wiedermann-Schmidt. Österreich sei im Europa-Vergleich das Land mit der zweithäufigsten Masern-Inzidenz. "Wir müssen vermehrt informieren", stellte die Expertin klar. Ansetzen will man damit künftig schon in Schulen. Denn Schüler seien sehr interessiert und forderten Informationen über den Arzt und nicht nur von den Eltern ein, sagte sie unter Berufung auf eine Umfrage.

Die mangelnde Bereitschaft der Österreicher, sich impfen zu lassen, hat vermutlich zahlreiche Ursachen. Einer der Gründe könnte die Arzt-Hemmschwelle sein. "In der Schweiz, in Großbritannien und Portugal dürfen Apotheker impfen. Dort sind die Impfraten um ein Vielfaches höher als in Österreich", so Müller-Uri. (APA, 11.1.2017)

  • Eine Epidemie könnte schon durch eine Durchimpfungsrate von 40 Prozent verhindert werden.
    foto: dpa

    Eine Epidemie könnte schon durch eine Durchimpfungsrate von 40 Prozent verhindert werden.

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