Lentiarenium: Seekuh nach ihrem Fundort Linz benannt

11. Jänner 2017, 14:09
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Vor 25 Millionen Jahren reichten Ausläufer des Mittelmeers noch bis an die Felsküste des Mühlviertels

Linz/Berlin – Linz ist – in Form der lateinischen Bezeichnung Lentia – in die Paläontologie eingegangen: Im 19. und 20. Jahrhundert wurden im Gebiet der Stadt drei versteinerte Skelette von Seekühen ausgegraben. Diese wurden nun einer eigenständigen Art und Gattung zugeschrieben, die die Bezeichnung Lentiarenium cristolii erhielt.

Während der Entstehung der Alpen vor etwa 25 Millionen Jahren reichten Ausläufer des Mittelmeers bis an die Felsküste des Mühlviertels. Im Bereich von Linz befanden sich damals seichte Buchten, in denen sich Sande ablagerten.

Diese Buchten waren der Lebensraum mindestens einer Spezies von Seekühen, die damals noch wesentlich vielfältiger waren als heute mit nur noch vier Arten. Innerhalb der Ordnung der Seekühe stand diese Alpen-Seekuh dem heute im Indischen Ozean vorkommenden Dugong näher als den bekannteren Manatis, die an den Atlantikküsten und im Amazonas beheimatet sind.

Fundgeschichte und Neuuntersuchung

Das erste Fossil dieser Art wurde 1842 gefunden und nach dem Wirbeltier-Paläontologen Jules de Christol Halitherium cristolii benannt. Im 20. Jahrhundert wurden in Sandgruben in Linz und Perg weitere Skelette gefunden. Man hielt sie zunächst für Angehörige weitere Seekuh-Arten.

Manja Voß vom Berliner Museum für Naturkunde analysierte vor kurzem jedoch die versteinerten Überreste im Rahmen eines größeren Forschungsprojektes über die Entwicklungsgeschichte der Seekühe und kam zu einem anderen Ergebnis. Die nun zusammen mit Geowissenschaftern des Oberösterreichischen Landesmuseums durchgeführte Studie wurde im "European Journal of Taxonomy" veröffentlicht.

Demnach handelt es sich bei den vermeintlich drei Arten aus den "Linzer Sanden" lediglich um eine einzige Spezies. Obendrein zeigte die Auswertung der Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den bisher bekannten Seekuh-Arten, dass die Linzer Tiere eine eigenständige Gruppe bilden und nicht zur Gattung Halitherium gehören. Deshalb wurde ihnen nun der neue Gattungsname gegeben: "Lentiarenium" verweist dabei auf die Herkunft aus den Linzer (Lentia) Sanden (arena). (APA, red, 11. 1. 2017)

  • Seekuh-Expertin Manja Voß präsentiert einen imposanten Schädel: Der gehörte jedoch nicht zu Lentiarenium, sondern zur größten bekannten Seekuh aller Zeiten: Die Stellersche Seekuh wurde bis zu neun Meter lang und zehn Tonnen schwer. Sie lebte bis ins 18. Jahrhundert im Nordpazifik, ehe sie vom Menschen überjagt und ausgerottet wurde.
    foto: apa/oö. landesmuseum/manja voss

    Seekuh-Expertin Manja Voß präsentiert einen imposanten Schädel: Der gehörte jedoch nicht zu Lentiarenium, sondern zur größten bekannten Seekuh aller Zeiten: Die Stellersche Seekuh wurde bis zu neun Meter lang und zehn Tonnen schwer. Sie lebte bis ins 18. Jahrhundert im Nordpazifik, ehe sie vom Menschen überjagt und ausgerottet wurde.

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