Windenergiebranche drängt auf Sondertopf von 50 Millionen Euro

11. Jänner 2017, 14:46
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Der Zubau an neuen Anlagen nimmt wegen fehlender finanzieller Unterstützung Jahr für Jahr ab, die Warteschlange baureifer Projekte wird länger

Wien – Der Windkraftausbau kommt in Österreich trotz vieler bereits genehmigter Projekte kaum vom Fleck. Die Branche macht dafür das Ökostromgesetz verantwortlich, das die geänderten Marktverhältnisse nicht mehr widerspiegle. Weil sich der Marktpreis seit 2011 halbiert hat, könnten mit den vorhandenen Mitteln nur mehr halb so viele Anlagen gebaut werden, beklagte der Geschäftsführer der IG Windkraft, Stefan Moidl, in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Branche fordert einen Sondertopf von 50 Millionen Euro, damit die Warteschlange möglichst zügig abgebaut werden kann. Zudem sollte die Verfallsfrist von Projekten von derzeit drei auf fünf Jahre erstreckt werden.

Zumindest Letzteres hat Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) der Branche wiederholt in Aussicht gestellt. Die Maßnahme sollte Teil der kleinen Ökostromnovelle sein, die ursprünglich noch vergangenen Herbst angedacht war. Wegen anhaltenden Widerstands nicht zuletzt aus dem Kreis der Sozialpartner kam es aber nicht einmal zu einer konsensualen Regierungsvorlage. Eines der Haupthindernisse abseits des Windkraftausbaus ist die Frage, ob und welche Lösung es für die zum Teil hochverschuldeten Betreiber von Biogasanlagen geben soll. Insbesondere die SPÖ stellt sich gegen eine fortgesetzte Finanzierung technisch unausgereifter Anlagen.

1.191 Windkraftanlagen

In Österreich gab es Ende 2016 insgesamt 1.191 Windkraftwerke, die mit einer jährlichen Stromerzeugung von mehr als 5,7 Milliarden Kilowattstunden (kWh) rund 9,3 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs entsprachen. Der Windkraftausbau ist in den vergangenen zwei Jahren nicht zuletzt wegen des starken Einbruchs der Marktpreise massiv zurückgegangen. Wurden 2015 noch 108 neue Windräder aufgestellt, waren es 2016 nur 75. Heuer dürften es mit voraussichtlich 60 neuen Anlagen noch einmal deutlich weniger werden. Je tiefer der Marktpreis ist, umso höher fallen die von der Ökostrom-Abwicklungsstelle OeMAG fälligen Zahlungen aus und desto schneller ist der Topf erschöpft.

Dabei gäbe es 260 Windräder mit einer Leistung von 850 Megawatt (MW), die sofort gebaut werden könnten, erhielten sie einen Vertrag von der OeMAG. Allein die Energie Burgenland, der mit Abstand größte Windkraftbetreiber Österreichs, hat nach Angaben von Vorstandschef Michael Gerbavsits bereits genehmigte Projekte im Ausmaß von 150 MW, die einer Realisierung harrten.

Statt in Österreich wird im Ausland investiert

Die WEB Windenergie AG, das größte Bürgerbeteiligungsunternehmen Österreichs mit mehr als 5.700 Einzelinvestoren, will die nächsten 100 Millionen Euro wegen der zunehmend schwierigeren Situation nicht in Österreich, sondern in Frankreich, Italien und Deutschland investieren.

Moidl von der IG Windkraft erinnerte daran, dass die Branche von 2012 bis 2016 pro Jahr durchschnittlich 500 Millionen Euro in Österreich investiert hat und damit gut 5.000 Arbeitsplätze abgesichert habe. Nur die Metallindustrie und die chemische Industrie hätten in dem Zeitraum mehr investiert. (Günther Strobl, 11.1.2017)

  • In Österreich stehen knapp 1.200 Windkraftanlagen, der Großteil davon in Niederösterreich, Burgenland und der Steiermark. Der Zubau geht aber seit zwei Jahren deutlich zurück – wegen fehlender finanzieller Mittel.
    foto: apa

    In Österreich stehen knapp 1.200 Windkraftanlagen, der Großteil davon in Niederösterreich, Burgenland und der Steiermark. Der Zubau geht aber seit zwei Jahren deutlich zurück – wegen fehlender finanzieller Mittel.

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