"Keine Chance": Was Apples Konkurrenz zum ersten iPhone sagte

22. Jänner 2017, 09:16
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Nokia und Co. zeigten sich unbeeindruckt, einige Analysten witterten einen schweren Reinfall

Es setzte ganz auf einen Touchscreen, hatte kein mobiles Breitbandinternet und auch kein GPS. Während das Publikum auf der Macworld 2007 sich von der Vorstellung des ersten iPhones durch Steve Jobs gebannt zeigte, fielen längst nicht alle Reaktionen so positiv aus.

So manche Größe aus der Techbranche und Telekommunikation hatte nicht besonders viel für das damals recht ungewöhnliche Gerät von Apple über, das mittlerweile längst zum meist verkauften Smartphone-Modell geworden ist.

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Steve Jobs präsentierte 2007 das erste iPhone.

Blackberry unbeeindruckt

Unbeeindruckt zeigte sich etwa Jim Balsillie, Mitgründer des Smartphone-Pioniers Blackberry, von Apples neuestem Produkt. "Es ist ein neuer Teilnehmer in einen schon gut gedrängten Markt mit großer Auswahl für die Konsumenten", meinte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Dass sich für sein Unternehmen dadurch signifikante Änderungen ergeben sollten, erwartete er nicht.

"Apple bleibt Nischenanbieter"

Nokia, damals noch unumstrittene Nummer Eins im Geschäft mit Mobiltelefonen, sorgte sich ebenfalls nicht. Der damalige Chefstratege Anssi Vanjoki erwartete den üblichen Fortlauf der Dinge. "Die Entwicklung bei Handys wird ähnlich verlaufen wie bei PCs. Auch mit dem Mac hat Apple anfangs viel Aufsehen erregt, aber sie sind trotzdem ein Nischenanbieter geblieben. Das wird bei Handys genauso sein", erklärte er damals im Handelsblatt – und war mit dieser Einschätzung nicht allein.

Michael Krammer, damals Chef des österreichischen Mobilfunkers One, witterte ebenfalls viel Lärm um wenig. "Das Phone ist ein bisschen wie Paris Hilton", so sein fragwürdiger Vergleich. "Von außen recht nett anzusehen, aber innen nichts Tolles."

Irrtümer und ihre Folgen

Die eigenen Irrtümer hatten für Nokia und Blackberry schwere Konsequenzen. Beide verschliefen den Wandel hin zu reinen Touchscreen-Geräten mit umfangreichen Appstores und auf Fingerbedienung zugeschnittene Systemoberflächen. Während Apple und später auch Google mit Android in wenigen Jahren den Markt umkrempelten, reagierten beide Konzerne träge und verhalten.

Während Blackberry eisern an Eigenentwicklungen festhielt und mittlerweile einen Dritthersteller Android-Smartphones unter der eigenen Marke herstellen lässt, versuchte sich Nokia an einer Partnerschaft mit Microsoft und dessen späten Anlauf mit Windows Phone, der ein halbes Jahrzehnt später als gescheitert anzusehen ist. Dabei war man sich des eigenen Erfolgs lange sicher. 2013 nahm der damalige Firmenchef Stephen Elop in einer Fernsehsendung Platz und warf das iPhone seines Gastgebers durch den Raum, nachdem er es zuvor als "peinlich" bezeichnet hatte.

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An der Spitze von Microsoft saß damals der wohl prominenteste Kritiker des iPhones, Steve Ballmer. "Es gibt keine Chance, dass das iPhone signifikante Marktanteile erreichen wird. Keine Chance", erklärte der für ambitionierte Auftritte bekannte Manager in einer Fernsehshow. Es sei "keine sehr gute E-Mail-Maschine" und überhaupt zu teuer, lautete seine Einschätzung. Microsoft und seine Partner hätten mit Windows Mobile das viel bessere Angebot.

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Analyst: "Apple soll iPhone den Stecker ziehen"

Ed Colligan, damals Chef des für seine Handys und PDAs bekannten Herstellers Palm, gab dem iPhone ebenfalls kaum Chancen. "Wir haben uns jahrelang abgemüht, um herauszufinden wie man ein gutes Telefon baut", so sein Statement. "PC-Leute können nicht einfach ein Rezept finden, sie werden nicht einfach hereinspazieren [Anm. d. Red.: In den Markt]." Im Tandem mit HP versuchte man später, mit der geänderten Dynamik Tritt zu halten, scheiterte allerdings.

Auch so mancher renommierter Tech-Journalist griff grob daneben. Zwei Monate nach der Vorstellung des iPhones veröffentlichte John Dvorak von Marketwatch seine Einschätzungen. Er bezeichnete das Handy als Risiko für das gute Image der Firma und empfahl bereits in der Überschrift: "Apple sollte dem iPhone den Stecker ziehen." (gpi, 22.01.2017)

  • Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer lenkt heute als Besitzer die Geschicke des NBA-Vereins LA Clippers. Er gab dem iPhone damals "keine Chance".
    foto: ap

    Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer lenkt heute als Besitzer die Geschicke des NBA-Vereins LA Clippers. Er gab dem iPhone damals "keine Chance".

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