Fake News: Medien sehen sich gestärkt

    11. Jänner 2017, 12:44
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    Beziehung zu Google, Facebook belastet, aber mehr Whatsapp und Messenger: Reuters Institute befragte Medienmanager weltweit über Herausforderungen 2017

    Oxford/Wien – Mehr Einsatz gegen Fake News, wenig Freude (und Geld) mit Medieninhalten auf Facebook und Google – aber mehr Aktivitäten in deren Messengerdiensten von WhatsApp bis Snapchat und mehr News-Bots für den Facebook Messenger. Das sind drei Erwartungen und Neujahrsvorsätze von Medienmanagern aus aller Welt, die das Reuters Institute für seine Branchenstudie 2017 befragt hat.

    150 Führungskräfte aus 25 Ländern befragte

    150 Geschäftsführer, Herausgeber und andere Führungskräfte von Medien aus vielen Weltgegenden haben einen Onlinefragebogen des Reuters Institute über ihre Erwartungen und Herausforderungen 2017 ausgefüllt. Sie kommen aus 25 Ländern – ihre Mehrheit aus Europa, darunter auch Österreich, aber auch aus USA, Australien, Südkorea und Japan. Rund die Hälfte von ihnen führt Medienunternehmen mit Printhintergrund. Rund ein Drittel managen Rundfunkhäuser, private wie öffentlich-rechtliche. Ein Zehntel kommt aus Digitalmedien und der Reste von Nachrichtenagenturen und anderen Business-to-Business-Firmen.

    Studienautor Nic Newman hat für themediabriefing.com sieben zentrale Punkte aus der Befragung zusammengefasst. Die Themen, nicht ganz überraschend: Fake News, die schwierige Beziehung zu digitalen Plattformen wie Google und Facebook, aber mehr Messenger und News-Bots, Geld der Userinnen und User für Medienangebote, Daten, Sprachsteuerung – und Enttäuschung über Videoinhalte.

    Fake News und journalistische Qualität

    70 Prozent der Teilnehmer geben an, sie sähen (journalistische) Medien durch die Flut an und Debatte über Fake News gestärkt. Einige freilich befürchteten, dass sich das Publikum wegen der Fake News generell von Nachrichten abwendet. Ein wesentlicher Teil nennt höhere Qualität des eigenen Journalismus als probate Antwort auf Fehlinformationen über digitale und soziale Plattformen.

    Trump-Checking

    Studienautor Newman verweist hier etwa auf die Browser-Erweiterung der "Washington Post" für Google Chrome und Firefox, die Tweets von Donald Trump auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen soll. Newman rechnet mit tausenden Fact-Check-Erweiterungen und -Bots bis zum Jahresende.

    Journalistische Qualität freilich kostet Geld, und da warten einige Herausforderungen, weil Werbeeinnahmen klassischer Medien wohl eher weiter sinken.

    Google, Facebook und Co

    Die Zusammenarbeit mit Facebook und Google sehen die befragten Medienmanager belastet. Die Studie konstatiert breite Unzufriedenheit mit den Einnahmen aus Inhalten auf Facebook, etwa mit Instant Articles und Video (Facebook kündigte gerade Unterbrecherspots an).

    46 Prozent der Befragten erklärten sich nun besorgter über die Rolle und den Einfluss von Google, Facebook und Co als noch vor einem Jahr. Nur neun Prozent bereitete die Position der Digitalriesen weniger Kopfzerbrechen.

    Mehr Messenger

    Doch welche Investitionen in Plattformen abseits der eigenen Seite erscheinenden Medienmanagern 2017 am wichtigsten? Just Facebook nennen 78 Prozent der Befragten da. 25 Prozent führen Youtube-Aktivitäten an, 16 Prozent den Facebook Messenger, 14 Prozent Apple News, 13 Prozent Whatsapp, Twitter und Snapchat.

    Die Messengerdienste der Digitalriesen wollen die Medienmacher 2017 noch intensiver nutzen. 56 Prozent der Befragten sagen, der Facebook Messenger sei wichtig oder sehr wichtig bei ihren Digitalaktivitäten abseits der eigenen Seite. 53 Prozent stufen Whatsapp so ein. Studienautor Newman verweist auf schon mehr als 30.000 (News) Bots für den Facebook Messenger.

    Video-Enttäuschung

    Studienautor Newman rechnet nach Jahren der massiven Investitionen in Online-Bewegtbild 2017 mit einiger (weiterer) Enttäuschung. Er nennt in dem Beitrag etwa die Möglichkeiten zusätzlicher Werbeeinnahmen durch Videoaktivitäten.

    Welche Video-Aktivitäten nehmen sich die befragten Medienmanager vor? 89 Prozent nennen kurze Videos für social Media. 80 Prozent kreuzten Live-Video (etwa über Facebook Live und Youtube Live) an. 78 Prozent klickten "Nachrichten- und andere Videos auf der eigenen Webseite" an. 40 Prozent Dokumentationen und andere Langvideoformate, 38 Prozent kreuzten Virtural Reality an.

    Ansprache

    Mit Sprach-gesteuerten Systemen wie Amazon Echo und Google Home wollen 28 Prozent der Befragten 2017 experimentieren. Die "Huffington Post" versucht es in dem Feld etwa mit Schlagzeilen-Quiz und News-Briefing.

    Das liebe Geld

    Studienautor Newman sieht einen Fokus der Medienmanager auf Bezahlinhalte: 47 Prozent der Befragten nennen direkte Beiträge der Userinnen und User unter den Einnahmequellen, denen sie sich 2017 widmen wollen. 45 Prozent kreuzen Video-Werbung und Sponsored Video an, 42 Prozent Sponsored Content insgesamt, 40 Prozent klassische Werbung, 22 Prozent Veranstaltungen. Vermarktung von Inhalten nennen 18 Prozent, 16 Prozent klickten bei Mitgliedschaften – etwa der "Guardian" setzt darauf verstärkt.

    Die "Zeit" kündigt etwa neue digitale Produkte für "Zeit-Aficionados" für 2017 an, die das wöchentliche "Premiumangebot" (wohl die Printausgabe) nahtlos auch digital bekommen sollenn.

    Und die Daten

    Hand in Hand mit dem User-Club geht verstärktes Augenmerk auf User-Daten – etwa mit Registrierung und Anmeldung, aber auch mit Empfehlungen und Personalisierung. Newman verweist da etwa auf die BBC, die im Sommer verpflichtende Anmeldungen für ihren iPlayer einführt.

    69 Prozent der Befragten wollen 2017 mehr in Breaking News für Mobilgeräte und 39 Prozent in Newsletter per Mail investieren. (red, 11.1.2017)

    • Die Zusammenarbeit mit Facebook und Google sehen die befragten Medienmanager belastet. Die Studie ortet Unzufriedenheit mit den Einnahmen aus Inhalten auf Facebook, etwa mit Instant Articles.
      foto: reuters/dado ruvic

      Die Zusammenarbeit mit Facebook und Google sehen die befragten Medienmanager belastet. Die Studie ortet Unzufriedenheit mit den Einnahmen aus Inhalten auf Facebook, etwa mit Instant Articles.

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