Russland soll kompromittierendes Material über Trump gesammelt haben

11. Jänner 2017, 14:02
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Geheimdienste warnten Trump vor belastendem Material aus Russland. Das FBI prüft die Glaubwürdigkeit des Berichts, Trump spricht von "Fake News" und rückt Geheimdienste in die Nähe Nazi-Deutschlands

Washington – Die Chefs der US-Geheimdienste haben Donald Trump vergangene Woche darüber informiert, dass Russland belastendes Material über sein Privatleben gesammelt haben könnte. Verfasst hat den Bericht laut "New York Times" und "Guardian" ein pensionierter britischer Geheimdienstler für eine Firma, die zuerst von Trumps Konkurrenten in der Republikanischen Partei und später von Unterstützern Hillary Clintons bezahlt wurde.

Der britische Ex-Geheimdienstler hat zwar laut der Zeitung den Ruf, zuverlässig zu arbeiten, sein Bericht trage aber lediglich Daten zusammen, die er von russischen Informanten gesammelt habe. Die US-Geheimdienste hätten diese nicht überprüft. Trump wurde der Bericht demnach präsentiert, weil befürchtet wurde, dass Medien darüber berichten würden.

Bericht: Austausch zwischen Trump und Russen

Die US-Bundespolizei FBI untersucht derzeit die Glaubwürdigkeit und Genauigkeit des Materials, berichtete CNN. Laut dem Dokument verfügt Russland über Informationen über das Privatleben und die Finanzen des zukünftigen US-Präsidenten.

Der schwerwiegendeste Vorwurf: Laut mehreren anonymen Quellen soll es während des US-Wahlkampfs einen Informationsaustausch zwischen dem Trump-Team und den Russen gegeben haben. Der Kreml soll Trump mit Material über die Demokraten und die Clintons versorgt haben und dieses über Dritte – etwa Wikileaks – an die Öffentlichkeit gebracht haben.

In dem Dokument, von dem die US-Geheimdienste eine zweiseitige Zusammenfassung erstellt haben sollen, heißt es aber auch, Russland verfüge über Videos, die Trumps Umgang mit Moskauer Prostituierten im Jahr 2013 in einem Hotelzimmer zeigen. Trump war damals im Zusammenhang mit der Wahl der "Miss Universe" in Moskau. Das Dokument stammt den Berichten zufolge vom 20. Juni 2016.

Trump soll von russischer Seite über Jahre hinweg mit guten Geschäften gelockt worden sein. "Bisher hat Trump alle Verlockungen zurückgewiesen", heißt es in dem Bericht. Es heißt aber auch: Der russische Geheimdienst FSB sei zu der Auffassung gelangt, Trump sei ausreichend kompromittiert worden, um eine Erpressung zu ermöglichen.

"Leben wir in Nazi-Deutschland?"

Trump wies die Vorwürfe umgehend zurück, er sieht sich als Opfer einer "politischen Hexenjagd". Berichte, dass die russische Regierung kompromittierende Informationen über ihn in der Hand habe, seien "Fake News", schrieb er am Dienstagabend auf Twitter.

In einem weiteren Tweet kritisierte er die Geheimdienste dafür, dass das Material publik wurde. "Ein letzter Angriff auf mich. Leben wir in Nazi-Deutschland?", fügte Trump hinzu.

Trumps Anwalt Michael Cohen, dem im Bericht vorgeworfen wird, sich im August 2016 mit russischen Agenten in Prag getroffen zu haben, veröffentlichte auf Twitter ein Fotos seines Passes und sprach ebenfalls von "Fake News". Er sei niemals in Tschechien gewesen, sagte er dem Magazin "Atlantic". Sein einziger Aufenthalt in einem EU-Land im Sommer sei ein Italien-Urlaub im Juli gewesen. Von dort aus kann man freilich ohne weitere Passkontrolle nach Tschechien reisen.

Trumps Beraterin Kellyanne Conway sagte CNN: "Die Berichte nennen keine Quellen, nichts ist bestätigt." Zur Frage, ob Trump tatsächlich am Freitag informiert worden sei, äußerte sie sich äußerst vage. Trump sei "nicht bewusst", ob er nun schon oder nicht darüber gebrieft worden sei.

Russland weist Bericht zurück

Russland dementierte die Vorwürfe: Man besitze kein belastendes Geheimdienstmaterial über Trump, sagte ein Präsidialamtssprecher am Mittwoch. Solche Berichte seien "völliger Unsinn". Es handle sich um eine Täuschung, die auf haltlosen und falschen Darstellungen beruhe.

Für Kritik sorgt in jedem Fall die Entscheidung von "Buzzfeed News", das komplette Material als PDF zu veröffentlichen, obwohl das Medienportal selbst darauf hinweist, dass die Vorwürfe unbestätigt seien und der Bericht zum Teil fehlerhaft. "Die Amerikaner haben ein Recht darauf, sich selbst über die Anschuldigungen zu informieren, die auf höchster Ebene über den künftigen Präsidenten kursieren", begründete Chefredakteur Ben Smith den Schritt.

Das Papier war in Teilen schon seit der Vorwahlwochen in Washington zirkuliert, von anderen Medien aber nicht veröffentlicht worden, weil die Vorwürfe weder zu bestätigen noch zu entkräften waren. Dass die US-Geheimdienste es offenbar prüfen, spreche aber dafür, dass man Teile der Informationen ernst genug nehme, um ihnen nachzugehen, berichten mehrere US-Medien. FBI-Direktor James Comey wollte sich beim Geheimdiensthearing am Dienstagabend – vor Bekanntwerden des detaillierten Berichts – nicht zu der Frage äußern, ob das FBI Kontakte von Trumps Wahlkampfteam mit Russland untersucht. Er äußere sich nie öffentlich zu möglicherweise laufenden Fällen, sagte Comey. Er steht freilich selbst unter Beschuss, weil er eine Woche vor der Wahl Informationen über eine neue Untersuchung in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton öffentlich gemacht hatte.

ron wyden

US-Senator John McCain, der als Hardliner gegenüber Russland und als Kritiker Trumps gilt, soll den Geheimdiensten eine Version des Berichts Anfang Dezember vorgelegt haben, schreibt der "Guardian". Zuvor hatte er demnach einen Mitarbeiter zu einem Gespräche mit dem Autor der Memos geschickt, um diesen zu den Informationen zu befragen.

Mit Spannung wird nun Trumps erste Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg erwartet, bei der er sich am Mittwoch ab 17 Uhr MEZ wohl auch zu den jüngsten Vorwürfen äußern wird.

Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich mit Cyberangriffen in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um der Demokratin Clinton zu schaden und Trump zu begünstigen. Laut FBI-Chef Comey hatte das FBI keine Hinweise gefunden, dass Hacker auch den Wahlkampf Trumps oder seiner Partei erfolgreich angegriffen hätten. Wegen dieser mutmaßlichen Einmischung verhängte der scheidende Präsident Barack Obama eine Reihe von Sanktionen gegen Russland.

Trump äußerte Zweifel

Trump dagegen bezweifelte die Geheimdiensterkenntnisse über russische Hackerangriffe. Er hatte im Wahlkampf mehrmals Wladimir Putins Führungsstärke gelobt und will die Beziehungen der USA zu Russland verbessern. Diese Haltung hatte Spekulationen ausgelöst, dass Trump geheim gehaltene Geschäftsinteressen in Russland haben oder in einer anderen Weise kompromittiert sein könnte.

Träfe der Vorwurf zu, dass es Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gegeben hat und dessen Unabhängigkeit dadurch kompromittiert ist, wäre das "schockierend" und "explosiv", sagte der demokratische Senator Chris Coons zu CNN. (red, APA, Reuters, 11.1.2017)

  • Donald Trump soll sich in Russland kompromittiert haben, was ihn erpressbar machen könnte. Er dementiert die Berichte.
    foto: ap/vucci

    Donald Trump soll sich in Russland kompromittiert haben, was ihn erpressbar machen könnte. Er dementiert die Berichte.

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